Daily Archives: 30.10.2011

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gibt es denn überhaupt einen „falschen“ Weg?

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Wir reihen uns in diese Schlange ein. Es ist nicht so recht ersichtlich, wo man hier konkret für was genau anstehen muss. Eine blonde Frau mit einem dünnen Rucksack läuft an uns vorbei. Hm, war SIE das? Ich bin mir nicht sicher. Mein Kopf tut aber auch so weh. Mysore-Mysore sagt monoton die Stimme. Sie kommt aus einem Lautsprecher. Sie sagt noch mehr, aber ich verstehe es nicht. „Wohin jetzt?“ frägt Guido. „Das sind doch eindeutige Zeichen. Wir hatten ein gutes Gefühl bei Mysore mit den Zetteln, weißt Du noch?“ Hm, ja, da war doch was…ach Mist, mein Kopf dröhnt. Doch! Stimmt! Wir hatten ja Zettel gemacht, die Tage zuvor. Hatten Namen mit Städten draufgeschrieben, zusammengefaltet und hineingespürt. Bei Mysore hat es sich harmonisch angefühlt. Bei einer anderen Stadt spürte ich.- Durchfall. „Alle schwärmen von Mysore, egal, wen man frägt. Weisst Du noch, die Inderin am Flughafen?“ Ja, ich erinnere mich. Sie hat Mysore in den höchsten Tönen gelobt. Sie sagte, dass es das Romantischste überhaupt in ganz Südindien sei. Der meines Erachtens nach aufdringliche Mann bestätigte das. Hm. Aber den mochte ich eh nicht. Subjektiv. Sowas kann die Entscheidung bekanntlich sehr beeinflussen. Zählt also nicht. „Und weil es sooo romantisch sei darum alle Verliebte nach Mysore gehen würden“ sagte sie noch. Warum hatte ich sie gefragt, was da das Besondere sei? „Wegen dem Maharadhschapalast“ hat sie gesagt. „Weil da abends Tausende von Lichter an sind. Weil die Stadt so schön sei. Und dass es da einen heiligen Berg gäbe, auf den man pilgern könne und von wo man über die ganze Ebene schauen könne. Das sei besonders abends wundervoll, weil die Stadt dann in ein funkendes, glitzerndes Lichtermeer eingetauscht sei.“ Ja, so genau sagte sie das. Damals schon. Am Flughafen. In Dubai. Hm…..

Also ja, soweit schon vorher wurde uns Mysore genannt….warum wohl? Vieleicht DARUM, wegen dieser Entscheidung…und ja, das würde ich schon gerne erleben da hoch gehen….aber….ABER…. das BEGRÄBNISS !!!! Ich sehe gerade so deutlich die Augen der Inderin vor mir, wie sie mich mit schwärmendem Ausdruck in den Augen angeschaut hatte und nochmals betonte: „sehr romantisch.“- „Sie meinte auf dem Berg den Durgatempel.“ sagt Guido und das holt mich in die Realiät. „Da wollten wir doch hin.“ Ja, da wollten wir hin. Ich spüre, das ist eine wirklich wichtige Erfahrung, die ich da machen werde. – Ah, ich kann gar nicht richtig nachdenken, mein Kopf, mein Arm….wie nervig. -“ Ok. Wir versuchen es so: Siehst Du uns da Sian?“ -Ja. Ich sehe uns da. Und es ist eine einschneidende und sehr wichtige Erfahrung, die ich da machen werde…. scheint wirklich wichtig zu sein im Tempel diese Erfahrung zu machen. Und Feuer, ich sehe und spüre Feuer…. „Und im Maharadschapalast? Siehst Du uns da?“ Ja, da sehe ich uns auch. Ebenfalls eine sehr intensive, eindrückliche Erfahrung. Ich sehe eine glühende Sonne… und Menschen, die uns grüßen… Guido zählt nochmals auf, wie anstrengend es wäre, zum Begräbniss zu fahren. Und dass er die Energien da nicht spüren will. Er Sai Baba lieber in seinem Haus besuchen mag. Ja, spürt sich gut an, richtig….ach ich bin hin und hergerissen. Die eine Stimme sagt. „fahre zum Begräbniss“ Dann spüre ich all das, was ich geträumt habe und auch, dass alle Taschen weg sind und es vom Körper her nicht gut geht.  Die andere Stimme sagt „das Land anschauen. Mysore-Nilgiris. Kommt an in Kodaikanal“.

Auf welche hört man? Welcher Weg ist denn überhaupt im Leben „DER Richtige“? Gibt es überhaupt sowas wie „fasche“ Wege? Dim-Hie-Trie sagt da immer: es gäbe nur sowas wie Umwege und die machen ortskundig. Und dass es egal sei, was IST denn das sei nur Auswirkung. Wichter sei vielmehr, WIE reagieren. Ich lasse mich überreden nach Mysore zu fahren. In der Schlange sind wir falsch. Die Tickets gäbe es nebenan. Dort steht auch, wie soll es anderst sein, das Pärchen. Hui.

Die blonde Frau steht auch am selbigem Schalter an. Ist SIE das? In diesem Moment holt sie aus ihrem Rucksack – eine Wasserflasche heraus während Guido und ich gerade denken : Ist sie alleine unterwegs? Das ist ja mutig… Ich schaue auf ihre Hand: Sie hat – einen Indienführer in der Hand. Klar, alles klar. Das Pärchen redet unterdessen ganz lieb miteinander. Ich höre ihnen zu, verstehe aber kein Wort. Guido bittet mich, aufs Gepäck aufzupassen. Er würde dafür am Schalter anstehen um die Tickets nach MYSORE zu erwerben. Ja, Mysore, beschlossen jetzt. Irgendwann MUSS man sich ja mal entscheiden. Ach mich schmerzt, dass ich nicht zum Begräbniss komme. Dass es nicht geht. Ich bleibe daher noch eine ganze Weile im Herzzschmerz stehen und schleppe dann die beiden großen Rucksäcke, unsere zwei Schultertaschen und all die Tüten mit unserer kostbaren Fracht, den Sari´s und Kurtha´s für die Darshan´s an einen Pfosten. Ja DEN Pfosten und beobachte die Menschen. Trotz all dem Gepäck scheint mich niemand zu sehen. Als sei ich unsichtbar. Alle gehen drumherum, aber keiner scheint mich wahrzunehmen, wie überaus praktisch. Ich stehe am Pfosten… bewache das Gepäck… und niemand – NIEMAND, auch Guido nicht, der gerade 2 Meter von mir entfernt steht und mich sogar schon dreimal angeschaut hat sieht mich NICHT !!! HIHI, bin ich – UNSICHTBAR ??? Belustigt schaue ich mir das an. Guido´s fragender Blick: Wo ist sie bloss hin? Dabei stehe ich doch genau vor ihm! Erst als ich winke, winke, winke und lache sieht er mich.“Ich hab Dich gar nicht gesehen!“ sagt er  und frägt nach einem Kugelschreiber. Ah, wieder was ausfüllen…



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Fahrt zum Bahnhof

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Der Taxifahrer hat´s nicht eilig. Er kommt sowieso nur im Schrittempo voran. Die Zeit verrinnt. Im Viertelstundentakt. Dabei ist´s zum Bahnhof gar nicht mal weit, also luftlinienmässig gesehen. So aus der Vogelperspektive heraus betrachtet. Doch das zählt nicht, wir sitzen ja im Taxi. Und das fährt eben auf der Strasse und nicht in der Luft. Hm, ob wir da wohl ankommen? Immerhin weiß ich jetzt, warum unser Hotelier am Nachmittag zuvor bereits telefonisch für uns auf 7.00 Uhr das Taxi bestellt hat. Er hat sicher auch eingeplant, dass er fast 1 St zu spät kommt….Tags zuvor hatte ich mich noch gefragt, warum denn so früh…? Der Zug, mit welchem wir fahren wollten fäht doch erst um halb elf…? Er sagte, dass man Ferntickets am Schalter 2 St vorher kaufen muss. Und dass man nie weiß, wie lange man zum Bahnhof brauchen würde. Hm, er hatte doch NOCH etwas gesagt, was war das bloß? Ich schließe die Augen um mich besser erinnern zu können. Ah, dass man lange anstehen muss sagte er noch. Ich mag zu Sai Baba fahren. Ich will wissen, ob wir den Zug nach Mysore oder in die andere Richtung nehmen…

Das, was ich jetzt gleich mache, ja das kann ich machen, aber… es hat auch Auswirkungen… egal…. ich beginne zu atmen… ganz tief in den Bauch…. ein… aus… eiiiiin… auuuuus…. der Herzschlag wird langsamer. Kontinuierlich langsamer- die Geräusche dröhnen, alles wird langsamer, wie in Zeitlupe…. es wird bunt, die Welt beginnt sich zu drehen…ich schwebe…. Nullpunkt. Ich bewege mich energetisch aus dem Taxi, halte den Kontakt nur über die Silberschnur. Sehe das Taxi. Von oben. Wo will der Fahrer hin…er kennt doch die Strecke…ich folge der Strasse…Wums-Schlagloch- ich sehe einen markanten Baum, wow, was für ein Baumfaun…er sieht mich….ich halte Blickkontakt …auch mit bestimmten Personen, mit einem Hund, er laüft ja sooo derart lustig….wir biegen ab…das Haus da an der Ecke, eine Frau mit einem weißem Kopftuch davor fegt, sie schaut mich fragend an…ihr Gedanke: „ich kenne diese Frau, ich habe sie gerade gesehen…“ autsch, was ist denn mit meinem Kopf…. Stände mit Taschen, mit Essen…das Taxi biegt in den Bahnhof. Busse, Taxi´s, wieder Stände mit Taschen…ich sehe sie mir an. Boah, nur 450 Rupie´s…eine Tasche für die Sari´s und Kurtha´s wäre praktisch…doch keine Zeit…weiter weiter…ich sehe, wir steigen aus dem Taxi…mein Kopf tut voll weh…ach jeh, so viele Taschen…jemand spricht uns an…nach Mysore? Wollt ihr nach Mysore? Mysore?

Viele Menschen, viele Gleise… eine Schlange… es geht nichts vorwärts…eine blonde Frau mit einem dünnen Rucksack…Mysore-Mysore…die Frau holt aus ihrem Rucksack – eine Wasserflasche heraus.. ist sie alleine unterwegs…? Sie hat einen Indienführer in der Hand… ah, das Pärchen…. sie stehen an einem Schalter….  reden… ich höre ihnen zu, niemand sieht mich, wie überaus praktisch.. ich stehe an einem Pfosten… bewache das Gepäck… und niemand – NIEMAND, auch Guido nicht, sieht mich, ich bin – UNSICHTBAR. Dann ein Ruck. Ich stosse mir den Kopf an der Decke des Taxi´s an. Versuche mich wo festhalten und stosse mir den rechten Arm. Mein Arm, mein Kopf tut weh. Autsch, was war das? „Nicht aufgepasst Sian? Da waren Löcher in der Strasse.“ Ich habe mir den Kopf angestossen, es tut voll weh. Löcher in der Strasse, der Fahrer scheint darüber zu schimpfen. Er hupt. So ein Mist, eine Schramme! Wird schon blau am Arm…“Pfoah, was für ein blöder Spruch…“Nicht aufgepasst Sian?““ Da ist er wieder, dieser fast überhebliche Unterton im Satz. Ich bin verletzt.  Ach, ich will mich jetzt nicht so aufregen.

Jedenfalls bin ich wieder ganz da jetzt. Ich denke, dass wir bestimmt den Zug verpassen, weil dass so lange dauert…Doch dann sehe ich den Baum. Der Faun schaut mich an. „Oh, den kenne ich!“ sage ich laut. Ah Mist, ist mir herausgerutscht. Wollt gar nichts sagen! He, warum habe ich meinen Mund nicht unter Kontrolle. „Ahso..?“ Dann läuft da dieser kleine Hund. Oh wie lustig ist das denn. Ich freue mich total, weil er so lustig läuft. „Gug´mal, wie lustig der Hund da lauft. Den hab ich schon mal gesehen.“ Mist, das war ja schon wieder laut. Der Hund schaut mich entgeistert an. Dann biegt der Fahrer in eine andere Strasse. Das Haus da an der Ecke! Die Frau steht davor- und fegt. Weißes Kopftuch. Sie schaut genauso überrascht wie der Hund.  „Oh, sie kenne ich auch, das alles habe ich schon gesehen!“ – „Ahso.“ sagt Guido. Er ist genervt. „Da, die Taschen! lass uns eine kaufen…“ jetzt halte ich mir aber den Mund zu. Denn fast hätte ich noch dazu gesagt: „kosten auch nur 450 Rupis!“ Aber ich will ja nicht als verrückt gelten. „Wir müssen weiter, wir können jetzt nicht anhalten Sian. „Klar, weiß ich…viele Taxi´s, viele Busse, viele Menschen…wir steigen aus dem Taxi. Ich hatte zuvor Taschen angeschaut…ob ich jetzt hingehe und deshalb eine kaufe? „Nein, wir haben keine Zeit.“ sagt Guido. Mist, hab ich schon wieder was laut gesagt? „Hat eben Auswirkungen Sian.“ sagt Dim-Hie-Trie und putzt sich die Nägel. Ein Mann kommt angelaufen. Er wird doch jetzt nicht sagen…doch, er sagt-“ Mysore. Ihr fahrt nach Mysore.“ Unfassbar. Guido schaut wissend. Das hat er also gerade gesagt. Weiß ich hätte ich fast gesagt. „Na, noch ein Zeichen bräuchte ich.“ Wir gehen in den Bahnhof.

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Was für eine lange Schlange…wer steht denn hier wo an? „Wohin jetzt?“ frägt Guido gereizt. Er ist angespannt. Ich bin ebenfalls gereizt. Mein Kopf tut weh. Ich kann nicht denken. „Mysore-Mysore.“ sagt monoton eine Stimme.