Monthly Archives: Juni 2012

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Das blaue Licht in den Nilgiris, von Erinnerungen standhalten, ungeweinten Tränen und Arni die Wasserbüffel statt Wildpferde

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Wer von Euch kam schon mal in den Genuss, das letzte Einhorn vorgelesen zu bekommen? So plastisch erzählt, dass ihr das Licht und die Wellen der Sonne auf Euch spüren könnt? Fühlt, wie ihr durch den Wald läuft, das Gras unter Euch und wie es Euch in der Nase kitzelt? So erzählt, als würdet ihr selbst in der Geschichte vorkommen? Wenn jede „Figur“ seinen eigenen Ton, seine eigene Stimme erhält und ihr Euch mitten im Geschehen wieder findet? Ich kuschle mich ins Kissen, zerfließe vor Glück und schlafe ein…

In der Nacht träume ich seid langer Zeit wieder einmal vom Elbenland. Barfuss laufe ich, mit leichten Schritt durch den erfrischend kühlen Wald der voller sich erholender Baumhirten ist….ich atme voller Freude über das „Hier sein dürfen“ die klare Luft ein und laufe, laufe laufe durch den Wald, der voller Lichter ist…pling pling ertönt es wenn man die Glockenblumen berührt…und schon von weitem begrüßt mich mein Freund der im Baum wohnt. Ein sich erholender Baumhirte. Ich lehne mich an seine bemooste Rinde und sehe, wie mein Eichhörnchen mit sicherm Gang hinauf in seine Krone läuft, was ihn zum Lachen bringt. Doch ich kann nicht verweilen, werde herausgezogen aus dem Elbenland und hineingezogen in eine Schlacht. Es ist immer die gleiche Schlacht….vom Himmel herunter zieht es mich fallend hinein in das Menschenreich. Wie immer ist die Luft dünn, ohne den lieblichen weichen Elbenlandduft. Die Luft ist nicht dicht, voller Erinnerungen und Geschichten, sie ist dünn, absorbiert, „aufgefressen“ schonungslos unbehüllend, man fühlt sich sogleich nackt und bloss gestellt. Es ist stickig, heiss und sehr staubig. Ich versuche zu atmen, doch es fällt mir schwer. Denn die Luft beisst sich in die Lungen, die Augen tränen…. Der Dreck, der überall zu sein scheint klebt mir sogleich überall am ganzen Körper. Es fühlt sich schrecklich an, ich mag mich baden….doch nichts mit „baden“….es gibt kein kühles erfrischendes Nass, weder als See noch in der Luft….es riecht nach Aggression und nach frischem Blut. Nach altem Urin, der schroff und verkrustet an den beinkleidern klebt, nach Knochenbruch und Eisen. Nach Hass, Gier, Angst und Neid. Nach Schweiss, der den Hass und den Tod kündet. Alles hier ist ein Inferno an Gerüchen, was auszuhalten ich mehr als schrecklich finde. Und weil ich so mit all den Eindrücken beschäftigt bin und nicht atmen kann passiert mir das Gleiche, wie jedes Mal wenn ich diesen Traum träume: Man ruft mich. Ich kenne diese Stimme, den Klang, die Energie, sie ist mir nah, doch es liegt etwas in der Stimme, das Berohliches kündet. Und was war das gleich nochmal : „bedrohlich“ ??? Ich kann mich nicht erinnern, nur eine vage Erinnerung, die hochkeimt, als hätte ich es mal gewusst, doch nur ein verblasster Schimmer, was genau „bedrohlich“ sein könnte. Der Untergang der Welten? Das verschließen der Dimensiontore? Das Trennen der Liebenden? Der Fall in die Dualität?

Mein Herz krallt sich zusammen ob dem Klang in der Stimme. Etwas Schlimmes passiert. Das blanke Entsetzen hallt in der Stimme, ich spüre es genau, das etwas Schlimmes geschehen wird. Metall ist in meinem im Mund, der Geschmack von Eisen. Woher wallt das Rufen? Ich atme auf elbisch…. die ZEIT wird langsamer, das auf mich Zueilen, die Handlungen im Außen, alles wird l a n g s a a a m e r, ich sehe jeden einzelnen Schritt, wie als würde man sich einen Film in Zeitlupe ansehen. Nur verstehe ich nun noch weniger von dem, was mir zugerufen wird, sehe lediglich den Mund aufgehen und wie Wellen aus ihm kommen, ein Atemhauch erreicht mich, ich spüre mein Herz, wie langsam es schlägt. Alles ist gut…..dennoch versuche ich, aus dem entsetzen Klang und den weit aufgerissenen Augen zu verstehen, was mir gesagt werden mag. Doch es bleibt mir gar keine Zeit etwas zu verstehen oder gar auf etwas zu reagieren, alles geschieht zwar in Zeitlupe , doch wohl nur für mich, alles folgt mit solch einer Kraft und Präzision, wie ein Uhrwerk. Ich sehe eine dunkle Gestalt, sie ist wie EISEN, die kraftvoll zum Schlag ausholt. Man wirft sich vor mich, ich bin entsetzt. Und wird in Stücke geschlagen. Ich will etwas tun, in der Elbensprache reden…doch etwas geschieht, das mich schweißgebadet aufwachen lässt. Mein Herz rast. Der schale Geschmack von Eisen im Mund. Er bleibt.

Ich bin total fertig und kann nicht mehr schlafen. Am liebsten mag ich mich ankuscheln….geht nicht….ich fühle mich so entsetzlich alleine…zumindest also wieder einschlafen und mich vor denjenigen stellen der einfach jenen, der mich gewarnt hat niederstreckt. Ich kann nicht einschlafen…und auch nicht ankuscheln. Es macht mich traurig, dass ich mich so alleine fühle. Das war schon immer so. Schon in der Kindheit. Immer so alleine…. Ich kuschle mich in das Kissen, ziehe die Beine an. An mir klebt kalter Schweiss. Boah, ich muss aufstehen. Duschen. Nein, es ist ja mitten in der Nacht. Abwaschen. Zumindest aufräumen gehen. Was putzen. Sauber machen. Oder Kleider zusammenlegen. Irgendwas in der Art, aber es ist mitten in der Nacht und so kann ich wohl schlecht im Zimmer rumtiegern und von a) nach b) rumschleichen. Das „Liegen bleiben müssen“ macht mich nervös. Mein Blut pocht in den Schläfen. So stehe ich also doch auf. Und ziehe mich leise an. Schleiche mich raus. Gehe den Gang auf und ab. Tiger Tiger. Schwarzer Panther. Nee, ich muss raus. Ganz raus. Raus an die frische Luft. Und verlasse das Hotel. Mitten in der Nacht. Nichts ungewöhnliches eigendlich. Nur dass ich in Indien bin und nicht im Schwarzwald wo alles überschaubar ist. Ach, was soll´s, was kann mir schon passieren. Ich lwill durch die Nacht laufen, die schmalen Gassen hoch bis es mir besser geht. Kaum das Hotel verlassen laufen mir die Hunde, die geneüber lagen hinterher. Ich denke an die Flora und lächle entspannt vor mir her. Wächter. Liebe Wächter. Irgendwann sind wir oben. Ich setze mich auf einen Stein. Zwei, drei ? Hunde legen sich auf die Strasse. Zwei, drei ? setzen sich hin, ich weiß gar nicht wie viele es sind. Einer lässt sich streicheln. Er fühlt sich ganz struppig an. Als hätte er Ekzeme. Ach armes Hündchen. Ich kraule ihn und kann auf die vielen Lichter der Stadt schauen. Wie lange ich wohl draußen war? Ich weiß es nicht. Irgendwann kam ich drauf, mal zurück zu gehen und so laufen wir wieder zurück.

Am Morgen merke ich, dass ich wohl lange gelaufen sein muss denn in meinem Körper ist Säure. VIEL Säure. Mein Kopf schmerzt. Der ganze Nacken ist verspannt. Muskelkater vom Laufen hat sich breit gemacht. ALARM im Körper. Total empfindlich und entsprechend gereizt merke ich, wie ich jedes Wort auf die Goldwaage lege. Die Stimmung kippt. Einfach mal meinen Mund halten und einen heißen Tee trinken, das wäre gut. Guido ist so nett und bestellt Tee. Bitte aus frischem Wasser. Aber gern. Kommt sofort. Wir bekommen eine Flasche kaltes Wasser. Und einen Teebeutel dazu. Hä??? Wir wollen doch Tee, kein Wasser. „Nun steht es aber schon da, das Wasser.“ sagt der Kellner und lächelt. „Und ist bereits geöffnet.“ und macht derweil das Wasser auf.  „Das muss also auf die Rechnung, ist schon gebongt.“ Hä??? Nun gut. Ob er denn kein Wasser habe, heisses? Also für TEE? „Oh ja! Gerne! Sure! Ja, das kann man also schon sicher warm machen.“ Die Flasche wird vom Tisch genommen und lauwarm zurück gebracht. Das kann ja wohl nicht des Kellners Ernst sein? Doch. Wir wollten Tee. Aus frischem Wasser. Ja! Also! Sure. Hier! Nein Tee! Ja, hier! Ich koche gleich über. Am besten ich gehe raus, sonst bekommt es noch der Kellner ab. Auf der Rechnung steht: Eine Flasche Wasser und einen Tee. Warum das denn? Sure. Er musste ja das Wasser aufmachen. Lächel. Ich bin fassungslos und glaub´ fast zu platzen vor Anspannung. Ich muss raus. Raus aus dem Restaurant. Denn sonst? Ja sonst würde ich platzen.

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Was Schönes machen? Zu den Wildpferden gehen? Oh ja BITTE. Wir verlassen das Hotel. Guido organisiert eine Rigscha. Er beschreibt dem Fahrer detailliert genau, wo wir hinwollen, nämlich an den großen Platz, von wo man die Touren amchen kann, da wo die Busse geparkt haben OBEN auf dem Plateau. Ich lehne mich entspannt zurück, ah mein Kopf….wo wohl meine Aspirin sind? Kram in Tasche, vergessen, egal, ich freue mich, bald die Wildpferde baden sehen…..Pferdchen….HÜPF HÜPF….Nur, wo bitte fährt denn der Faher  hin??? Erst fährt er den Berg hoh, wunderbar alles war im Lot, doch warum biegt er ab? Ich werde unruhig. Nun, das kann ja eine Abkürzung sein Sian. Nee, der hat kein PLAN! Da gehts nirgendwo hin! Er fährt munter in den Wald. Hin zu einer heruntergekommenen Schule und will, dass wir aussteiegn. Nein, da wollten wir nicht hin. Erneutes Erklären. Da wo wir hin wollen waren so viele Busse gestanden. Nein, das hier sei der Platz. Hallo? Nein! Er macht keine Anstalten weiter zu fahren. Gudo spricht mit ihm. Er fährt weiter, aber nicht zurück zur Strasse sondern nun den Berg ganz runter. Ich registriere: ich bin hell entsetzt. Wir kommen an eine Staumauer. Aha, kein natürlicher See registriere ich beiläufig. Wir könnten doch auch hier bleiben. Aha und wie kommen wir wieder zurück? Der Mann will, dass wir bezahlen. Nee, es reicht mir, ich zahle NUR wenn er uns da hinbringt wo WIR ausgemacht haben. Basta. So ist das. Arme verschränk. PUNKT. Also Punkt, gehört? Keine Pünktchen. Keine offenen Sätze. Das war ein PUNKT. Nach langem hin und her fährt er wieder hoch und schlussendlich an den Platz, wo wir hin wollten. Wir geben ihm die, ich weiß gar nicht mehr, waren das 1000 Rupies? Und noch ein Trinkgeld.

Statt der Wildpferde finden wir hier ein Aufgebot an Menschen. Lautes geschrei, laute Musik, ist hier Jahrmarkt? Huch, alles voller Hühnerchen, die keine Federn mehr haben. Hühnchen, kleine Hühnchen die auf EINEM Beinchen laufen. Autsch, mein Herz tut weh. Warum hilft denn keiner? ich mag die Hühnchen erretten. OmG ist das schlimm…ich bin so entsetzt, wie die Leute hier Hunde und Hühner behandeln….und es ist so dermassen laut…..wir flüchten in den Wald. Mir rinnen heiße Tränen übers Gesicht… So gerne mag ich einfach nur mal tröstend in den Arm genommen werden. Wie eine Mama das machen würde….oder täte….wenn…ja ich ein Junge wäre…wie mein Bruder….ich breche komplett zusammen…denn alles liegt nun vor mir…..das ganze Kindheitsfiasko offenbart sich mir…..Guido nimmt mich in den Arm und sagt total liebe Sachen…die ich leider gar nicht mehr wieder geben kann….aber es ging darum, dass alle Erfahrungen einen Sinn ergeben, auch wenn wir das nicht erkennen können…und dass man sich oft etwas anderes gewünscht hätte, aber es dennoch für etwas gut ist…

Ausgeschluchtzt und „In den Arm genommen, gehalten, verstanden angenommen gefühlt“ habe ich den Eindruck, das Bruderthema wird ausheilen…. ich kann es nicht erklären, aber es fühlt sich so an…und DAS ja DAS ist soooooooooooooooooooooooooooo schön… sogar die grelle, laute Musik klingt nun wie Musik in den Ohren…alles erstrahlt im Licht… das Licht kommt durch die Blätter…..wir laufen den Hügel hoch….frischerWind weht…..

„Wie es mir geht?“ kommt eine SMS vom Stephan aus Deutschland. Und irgendwas zu klären gibt es. Keine Ahnung mehr was das war und ich weiss jetzt auch gar nicht mehr was ich da zurück schrieb, aber es folgt ein Anruf. Kurz hinsitzen ist der Impuls. Kaum aufgelegt und hingesetzt taucht plötzlich eine Herde großer Tiere auf. Das Handy habe ich immer noch in der Hand. Wie praktisch, das muss ich selbstverständlich fotografieren. Oh wie ist DAS schön erfreue ich mich…..eine Herde Kühchen! „Wasserbüffel“ sagt Gudio. „Wilde Wasserbüffel.“ Uih. Aha.

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„Mei sind die niedlich!“ Knips, knips. SÜß…..Guido ist angespannt. Ich kann gar nicht verstehen, was er hat…??? Das sind doch KÜHE….äh Wasserbüffel. Hi, schau so fein braun das Fellchen und ohhhhh, es kratzt sich mit dem Geweih! Mei wie niedlich!

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Doch olala, auf einmal verstehe ich dann doch was er hat…denn aus der Herde schält sich forsch ein alle überragender Bulle hervor. Jeder macht ihm PLatz. Ach Du Schreck, wie schnurstracks er auf uns zu läuft….Dann hält er inne, hält seine Nase in die Luft….

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Dieser schmucke (dicke) Riese ist eindeutig der Anführer der „Kühe“ und er nimmt auch gerade unsere Witterung auf. Hm, mir schwahnt nichts Gutes. Knips, immerhin ein Foto für die Nachwelt. Wie tröstlich zu wissen dass dieser laut Dim-Hie-Trie ( wo kam er denn plötzlich her ???) „eine Tonne“ wiegt… Ähm, eine Tonne? Am besten erst gar nicht drüber nachdenken, wie schwer denn eine Tonne sich anfühlt, und weitere Tonnen … und nicht zu vergessen die vielen Hufe, auf denen die Tonnen sich jeweils konzentrieren, wenn sie über einen drüber trampeln. „Pssst…er riecht uns“ sagt Dim-Hie-Trie flüsternd. Boah JA!!! Nun, ich hab nix zu verbergen, doch ich hoffe er riecht nicht ALLES….Dim-Hie-Trie strahlt RUHE aus und kommt ins Schwärmen“Welch ein schöner Arni….schau von Mahis Hasura ….weisst Du noch Sian? ….Ist nicht zu bekämpfen…bis Durga kam“ Ich verstehe immerhin was er sagt, nur den Zusammenhang nicht. Aber irgendwie doch. Hm. Während ich noch am einspüren in die Energie dieser wundervollen aus dem Nichts erschienenen Büffelherde bin plaudert Dim-Hie-Trie seelenruhig als ständen da Schafe : „Nun, Du erinnerst Dich doch an Durga, nicht wahr Sian?“ Hm klar. Unsere Herzen sind so laut am pochen, bis in die Schläfen gehts. Schön entspannt bleiben, nur eine Herde wilder Wasserbüffel, die zusammen viele Tonnen wiegen und ein Anführer, der unsere Witterung aufgenommen hat….doch was wohl in Himmels Namen ein „Arni“ ist? „Na diese hier“ sagt Dim-Hie-Trie und deutet auf die Wasserbüffel. Das ist ein „Arni“? Lustige Vorstellung, das die Wasserbüffel ein „Arni“ sind. Das macht mich echt lachen, ich kann nur lachen ausströmen und das riecht er spüre ich. Ich bin mir aber auch soooo sicher, dass er uns nicht überrennt. Oder? nein, nicht drüber nachdenken. So schnell wie sie gekommen sind sind sie auch wieder weg. Vages pochendes Herzklopfen bleibt.

Genau ein Jahr später schaltet Dim-Hie-Trie, mit dem ich am Abend „zufällig“ Fernseh schaute, eine Dokumentation über eine Zugfahrt durch die Nilgiris ein. Wir sehen uns die Zugfahrt an, schwelgen in Erinnerungen und sehen plötzlich auch eine Zeremonie der Todas….oh wie schön sie aussehen die Todas….der Sprecher sagt: „In der Bergregion Nilgiris, auch die Blauen Berge genannt, lebt ein aus ungefähr 2000 Mitgliedern bestehender rätselhafter Stamm, über dessen Herkunft schon die abenteuerlichsten Vermutungen aufgestellt wurden: Sie könnten römischer Abstammung sein, ein verlorener Stamm Israels oder auch Nachkommen von Soldaten von Alexander dem Grossen … Die Todas selbst haben eine ganz andere Erklärung: Einst liess der Schöpfer eine Perle in die Blauen Berge fallen, der die Göttin Thakkirsi entstieg, die ihrerseits, mit einem Schlag ihres Stockes, den ersten Toda und gleichzeitig seinen Wasserbüffel erschuf. Die Todas und ihre Büffel….Nicht nur haben sie der Legende nach gleichzeitig das blaue Licht entdeckt…

Sie leben nach einer konsequent friedlichen Philosophie und ernähren sich als einziger Stamm in dieser Gegend streng vegetarisch, schon seit tausend Jahren praktizieren sie einen vegetarischen Lebensstil…betreiben keine Landwirtschaft sondern schonende Viehhaltung, töten nicht und lehnen sogar die Verwertung der Überreste toter Tiere ab. Da Fleisch absolut tabu ist, ernähren sie sich, und zwar bei offensichtlich exzellenter Gesundheit, hauptsächlich von Molkereiprodukten. Eine Mischung aus Milch, Reis, Getreide und Zucker bildet eines der Grundnahrungsmittel, die auch heute noch bei festlichen Anlässen serviert werden. Aber man isst auch Gemüse und Gewürze, Wurzeln, Kräuter, Obst und Honig. Weltberühmt geworden sind die Todas durch ihre Verehrung für Wasserbüffel, die sich zu einer komplexen Glaubensrichtung entwickelt hat mit Priestern, Tempeln und komplizierten Ritualen. Die Tiere sind gleichzeitig Gradmesser für Wohlstand und bestimmen auch das spirituelle Leben, wodurch eine verwirrende Vielfalt von Traditionen entstanden ist, gespickt mit komplizierten Ritualen.
Es wird angenommen, dass eine jahrhundertelange Umsetzung von Ahimsa den Charakter der Todas mittlerweile so durchdrungen hat, dass deren Aggressions- und Konfliktpotential reduziert wurde. In dieser Gemeinschaft spricht man die Sprache des Friedens! Was in anderen Teilen der Welt zu bewaffneten Auseinandersetzungen führen würde, kann bei den Todas durch allgemein akzeptierte Formeln ethischer Übereinstimmung in aller Ruhe gelöst werden.“

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Welcome back too India!

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Nun ist er da, der heiß ersehnte Sommer, heute am Siebenschläfertag der, so wie man sagt die Tendenzen für sieben Wochen Wetter vorkündet. Wenn ich herausschaue auf den Himmel über meinem PC und dabei den Vögeln zuhöre spüre ich, dass auch in den schönen Vogesen der Sommer zurück gekehrt ist….und mit ihm kehre auch ich, wieder erholt von den vielen Strapazen und Ereignissen der letzten Wochen nun hierher zurück, um weiter im Blog zu schreiben. Somit sage ich also: Herzlich willkommen zurück nach Indien! Herzlich willkommen zurück in die Nilgiris!

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Mittlerweile ist es in den Nilgiris später Nachmittag geworden. An mir kleben schon wieder die Kleider. Man gewöhnt sich an Kleider, die auf der Haut kleben. Oh ja, man spürt sogar jeden Luftzug als erfrischend, gleich einem Bad im See. „Hach, der See….“ kommt´s mir seuftzend in den Sinn…“wollten wir nicht zum See….?“- „Ja Sian, doch eins nach dem anderen.“ sagt Dim-Hie-Trie.

„Nun ist mittlerweile JUNI fast vorbei und ich war auch hier noch nicht im See.“ denke ich gerade, als ich diese Zeilen rückerinnernd aufschreibe. „Zumindest AM See schon Sian.“ sagt Dim-Hie-Tie lächelnd und tätschelt derweil meine Hand. „Oh schau mal, auf dem Bild, hinter den Nilgiribergen braute sich ein Gewitter zusammen. Weisst Du noch wie Guido sagte, mach doch ein Bild Sian? Und wie ich sagte: Kommt, lasst uns auf dem roten Teppich in die Kirche hinein gehen?“ Haha, oh ja an all das erinnere ich mich so gut denn verdutzt dachte ich damals…

„Hm? Was für ein roter Teppich meint er denn? Oder ist das sinnbildlich gemeint?“-„Nun, alles ist SINN-BILD-LiCHT gemeint“ lächelt verschmitzt der Dim-Hie-Trie. Tasächlich, beim Aufgang zur Kirche liegt ein roter Teppich. Weich und polstrig schaut er aus. Ob er sich auch so anfühlt? Wie fühlt sich wohl „der rote Teppich“ an? Wie lustig ist das denn! Nun kommen wir also in den Genuss, auf dem „roten Teppich“ zu gehen. So kann´s laufen! Wunsch befehl. Ohhhh…. ganz weich ist er !!!!! Man hört seinen eigenen Schritt nicht, alles ist gedämpft und die Geräusche verblassen mehr und mehr…

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In der Kirche, die wir betreten ist es kühl. Kühl und ruhig. Der Lärm der Stadt verblasst gänzlich neben dem RAUM für die Stille. „Kirche der Ankunft. Während die Zeit inne hält.“ sagt Dim-Hie-Trie verträumt. Ein friedlicher Ort. „Hier würde ich glatt nochmal heiraten“ spüre ich, ganz und gar ergriffen von der sanften, lieblichen Freundlichkeit dieses stillen Ortes, die uns zärtlich umhüllt. Während wir uns umschauen bemerken wir, dass der Hüter dieses Ortes gerade dabei ist, die unteren Fensterläden von innen zu verschließen. Das Gefühl im Raum ist wie ein Sommertag in der Heimat, wenn man verschlafen und trunken vor Sommerhitze die Jalousien herunterzieht und gedämpftes Licht hereinscheint. Geradewegs ein Tag wie heute, während ich diese Zeilen schreibe. Automatisiert ergreife ich das Weihwasser, mache wie immer mit drei Fingern der rechten Hand ein gleichschenkliges Kreuz von der Stirn aus an das Herz über die Brust und setze mich in eine der Bankreihen. Dann schließe ich die Augen und singe… singe…. singe…..

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Das Ave Maria erfüllt den Raum. Seelenlichterfunken tanzen im gedämpften Nachmitagslicht. Der Hüter des Ortes hält inne mit Fensterläden schließen. So dass wir bei unserem anschließenden Rundgang durch die Kirche alles sehen. Fast schwebend gehen wir über den roten Teppich nach draußen. Nach so viel Energie geht man am besten an einen Baum…..

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Guido schließt Freundschaft mit einem Baum….

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…während es mich magnetisch an den hinteren Teil der Kirche zieht. Ein sehr starker Erdwellenpunkt, der steil in den Himmel hinauf wellt. Viele Seelen tanzen im weiß blauen Strahl….

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Wir beschließen wieder zu kommen, denn der freundliche Hüter des Ortes möchte nun gerne das Tor abschließen.