Die Tage in Indien beginnen früh. Wir haben uns bereits daran gewöhnt dass die Sonne nicht langsam und gemächlich hinter dem Horizont erscheint, sondern dass sie auf einmal DA ist und es sehr schnell richtig heiss wird.

Wir haben Lust, den hoch gelobten botanischen Garten im englischen Gartenstil angelegt zu besuchen und machen uns chic. Nach Mysore klappt es mittlerweile schon ganz gut mit dem Sari binden. Ich mag noch schnell die Gelegenheit nutzen im Internet zu surven, denn seit ich die Zugangsdaten vom Hotel erhalten hatte kann ich innerhalb des Hotels nach Herzenslust auf dem Handy surfen. Dass es dann jedoch auch draußen immer noch geht finden wir lustig. Dass meine Handyrechnung jedoch sage und schreibe einmal 750 Euro betragen wird und ich am 13.5.2011 nachmittags am See von Kodaikanal vom Telefonanbieter noch einen Anruf diesbezüglich erhalte weiß ich Gott sei Dank zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So können wir es also lustig finden, dass wir nach Zieleingabe: „botanischer Garten“ als blaues kleines Pünktchen die Strasse vom Hotel bis zur Zieleingabe angezeigt bekommen.

Morgens durch die kleinen indischen Gassen zu laufen ist schön. Bereits am frühen Morgen herrscht hier geschäftiges Treiben. Es duftet nach Gewürzen, Frittiertem und nach köstlichen Jasminblüten. Noch können wir nicht sehen, woher dieser Duft kommt, was sich jedoch bald änderen wird. Zuerst einmal erfreuen wir uns der angenehmen Kühle. Genauer gesagt WIR empfinden es als angenehm, die indischen Frauen frieren jedoch offensichtlich denn sie tragen in den kühleren Morgenstunden allesamt Wollsocken, Wollmützen, Ohrenwärmer (!)  und sogar dicke Winterjacken über ihren Sari´s. Dabei sind es morgens sicher auch schon weit über 20 Grad…doch wenn man über 40 Grad gewohnt ist, mit solch hoher Luftfeuchte wie in den Tälern..erscheinen 20 Grad sicher kalt. Wir jedoch LIEBEN das Klima, verry britisch, nicht umsonst eine der Hillstations…

Bei einem Strassenhändler entdeckt Guido wunderschöne Malas aus Rosenholz für sage und schreibe: 250 Rupies. „Sehr schön“ sagt Dim-Hie-Trie und wird von einem Naturwesen, das neben dem Teppich sitzt angesprochen. Er gibt Dim-Hie-Trie die Kette mit dem weichem, dunklen Rosenholz. So schöne Malas habe ich noch nie gesehen ( und sehen wir auch nicht mehr ) Ich verliebe mich auf Anhieb in eine hier anwesende Kette. Sie ist aus diesen Baumfrüchten, dessen Namen ich mir nicht merken kann gefertigt. „Ruth Raschka“ sagt Dim-Hie-Trie. „Ruth Raschka? Wer ist das denn?“- „Eine Eselsbrücke.“ Hihi: „Ruth Raschka“, na das kann ich mir nun sicher merken! „Danke!“ – „Bitte.“ Aus diesen köstlich duftenden Baumfrüchten habe ich eine für mich sehr besondere Kette zu Hause, sie ist ganz aus natürlichen Materialien, wunderschön und ganz kunstvoll geflochten. Eine Frau, die viele Jahre in den Wäldern in Askese gelebt hat gab sie ihrer Freundin mit auf den Kunsthandwerkermarkt. Überall, wo ich mit ihr hinkomme erregt sie Aufmerksamkeit.

Hier nun diese Früchte vorzufinden – ich bin ganz hin und weg. Es gibt zwei Ketten und Dim-Hie-Trie überlegt, wie viele „Gesichter“ sie haben.Gesichter? Wo? Ich lasse sie mir reichen. Oh ja, tatsächlich: Gesichter! Nein, die meine er nicht. Ich sehe Gesichter, und er meint andere Gesichter? „Pancha Mukie“ murmelt das Naturwesen und spricht leise weiter: “ der Herr über Zeit und Feuer…alle Elemente eint er. Sein Träger wird Gesundheit und Frieden erleben.“ Lustig, ein hinter dem Teppich sitzendes und informiertes Naturwesen, haha. Ich spüre die wunderschöne Energie der Kette. Und mag sie gar nicht mehr aus der Hand geben. Leise und gewichtig spricht er weiter:  „sie kontrolliert die fünf Elemente im Körper und vernichtet alle Krankheiten… schenkt Befreiung und erfüllt alle Wünsche.“ Kurze gewichtige Pause, dann laut: „Durga, Shat Mukie…macht ihren Träger furchtlos und selbstsicher.“ Ich verstehe nicht, was genau die beiden da an Wissen austauschen, doch es ist wie eine Art Singsang, mal laut, mal leise gesprochen, mit „Schlagwörtern“. Es schaut aus, als würden sie uns irgendwie „nachmachen“: Anbieter und Käufer „spielen“. Dim-Hie-Trie wendet sich mir zu und meint: „Sie passt genau, aber dann kanst Du ja gar nicht mehr schlafen.“  Aha..??? Na wieso das denn……???

Dim-Hie-Trie mag auch eine Gebetskette „zum verschenken“ haben. Er offeriert mir, dass er sie quer durch Indien tragen ( -lassen ) mag ( denn ich soll sie für ihn überall hintragen ) und so kaufen wir drei Malas, freuen uns wie kleine Kinder ob der eingekauften Schätze und lachen über die Pünktchen, die sich nun wieder in die andere Richtung bewegen müssen, da sie sonst nicht zum Zielort kommen. Geramaine und Vinodhie wollen das Naturwesen hinter dem Teppich und die Ketten sehen:

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„Ohhh, schööööön!“ Vinodhie ist froh alles aus Kängurubeutelsicht betrachten zu können.

Ich wippe sie hin und her und singe laut: „Und gleich gibt´s für mich noch einen „richtigen“ Kaffee, juhu!“  2 Wochen, ein halber MONAT, und das in einem Land, wo der Kaffee angebaut wird !!!  Das kann man auch nur verstehen, wenn man Kaffee so liebt wie ich, räusper… Bei unserer Surfaktion haben wir entdeckt, dass es tatsächlich auf dem Weg zum botanischen Garten ein Caffeehaus geben soll… und oh… bald soll es auf der linken Strassenseite erscheinen….ich hüpfe schon ganz aufgeregt hin und her.. tatsächlich, auf der linken Strassenseite erscheint die Siluette des Caffeehauses! Ach, was für ein perfekter Morgen!

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…und was für ein genialer Kaffee…:

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mit Engelchenschaum… hach !!!

Ein klimatisierter Raum, sauber und sehr chic. Unsere Welt ist in Ordnung. Ich überlege, wie „westlich“ wir doch sind und denke unwillkürlich an den Diavortrag der 13. Klasse der Waldorfschule, die sich während ihrer einjährigen Rucksackreise unglaublich über einen am Geburtstag geschenkt bekommenen Schokokuchen und das Entdecken eines Nutellaglases in einem Lebensmittelgeschäft gefreut hatten und wie sich eine Mutter daher empörte, dass sie dabei so strahlende Augen hatten. Immer diese Etiketten, wie ein/e Waldofschüler/in sich benehmen „soll“ …es NERVT !!! Ich kann es jedenfalls verstehen !!!

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