Inzwischen kann Guido wegen seinen immer stärker werdenden Rückenschmerzen nicht mehr ungezwungen sitzen. Wir freuen uns, als der Aufruf den Flieger zu besteigen angesagt wird. Emirates, wir kommen! DAS konnte ja nur angenehm sein! Bequeme Sitze, freundliche Stewardessen, saubere Decken….doch alles ist ganz anders. Die Maschine, ein älteres Modell, macht keinen guten Eindruck. Drinnen ist eine sehr seltsame Atmosphäre, es riecht total extrem nach Kerosin. Die Stewardessen, allesamt super angenervt helfen Guido nicht, das Gepäck zu verstauen. Da er wegen den Schmerzen im Rücken arg das Gesicht verzieht und laut stöhnt macht sich big mama neben mir große Sorgen. Sie fragt andauernd nach: “Is he ok?” und ich kann beim Verstauen gar nicht helfen denn ich sitze diesmal total eingeklemmt in der Mitte und fühle mich auf dem Minisitzplatz, der für keinen von uns dreien irgendeine Art von Beinfreiheit bot, wie eine Ölsardine im der Dose. Es ist für alle von uns dreien beklemmend eng. Big mama und der langbeinige Guido brauchen Platz. Ich ziehe meine Beine und Arme ein und atme nur noch flach. Ich kann ja in den unmöglichsten Positionen dennoch eine ganze Weile bequem sitzen und sogar schlafen. Kurz vor dem Abflug gehen die Stewardessen jeweils mit zwei Spraydosen in der Hand durch den Gang um den Gestank zu übertünchen. Wie krass war das alles denn! Oh herrje, alles so seltsam! Was war bloß passiert…? Und ob dieser Flieger sicher in Bangalore ankommt wagte ich nach alldem, wie es sich hier anfühlt und entwickelt auch sehr zu bezweifeln !!!

So Schluss jetzt! Keine weitere Energie mehr dahin lenken! Nicht dass das noch wahr wird. Ich ziehe schleunigst die Notbremse. So kann´s ja nicht weitergehen, der Wagen entgleist! Ich reiße mich zusammen, aktiviere Kraft, Mut und Stärke, lasse Energie strömen, unterstütze Guido, halte meine Hand an seinen Rücken, beruhige gelassen und souverän big mama und verströme in all das Chaos gezielt die Energien Gelassenheit, Ruhe und Kraft. Ich bin voll “im alten Film”, denn genau das mache ich schon mein ganzes Leben lang: DA sein, präsent  sein, jedem Kraft schenken, Ruhe und Gelassenheit verströmen, an all das Gute erinnern….und es geht ja in solchen Situationen doch gar nicht anders, oder….? Doch, doch, es geht auch anders, man kann immer so oder so reagieren. Die Stimmung wird jedenfalls so schneller besser. Ich sitze zwar total zusammengeknotet, so wenig Platz wie möglich verbrauchend da, atme flach und schlafe aber auch irgendwann vor lauter Erschöpfung ein. Doch das merke ich nicht. Ich sehe, wie die Maschine sicher durch die Nacht in den Morgen fliegt, höre alle Geräusche, Stimmen und sogar Gespräche. Ich sehe, wie die Sonne aufgeht, spüre am ganzen Körper den Druckabfall, die Landung, wie wir aussteigen, ein Taxi besteigen, das Gepäck verstaut wird, wie wir in einem Zimmer mit Ventilator schlafen, einen Zug besteigen…sehe uns beschwingt durch ein Teefeld gehen und spüre uns weit drinnen im Land. Ich kenne mich da, wo wir laufen zwar überhaupt nicht aus, verstehe auch die Sprache nicht, doch wir fragen uns halt so durch. Wir verstehen uns gut und sind auf dem Weg zu Sai Baba´s Haus. Dieses fühle ich wie als wäre es sein Geburtshaus und bin  s e h r aufgeregt. Wir haben Rucksäcke auf den Schultern und Taschen mit Saris und Kurthas in der Hand. So voll bepackt finden wir dann das Haus und werden von einer sehr sympathischen älteren Frau mit Brille, die ihr schon ergrautes Haar hinten als Dutt zusammengebunden hat und eine hell beige Strickjacke über ihrem dunkelroten Sari trägt empfangen. Ich wundere mich über die Strickjacke, denn ich finde es so warm, aber vielleicht, weil sie älter war brauchte sie ja diese Strickjacke? Sie weist uns an die Schuhe auszuziehen. Ein Hund liegt schläfrig und desinteressiert an Besuch vor dem Haus. Ich bücke mich um ihn zu kraulen, ziehe meine Schuhe aus und der Guido ebenfalls. Beim Aufschauen spüre ich plötzlich am Boden ganz deutlich Gewusel von dem Hund ausgehen. Es fühlt sich auf einmal ganz wie junge Hundeenergie an. Hm, seltsam, als ich ihn anschaue liegt er genauso desinteressiert an Besuch und Streicheln da. Ich kann das gar nicht einordnen. Die Frau lächelt wissend. Dann betreten wir voller Andacht das Haus. Ein älterer Mann sitzt auf einem Stuhl und schläft. Er wacht auf und wir begrüßen ihn. Es kommen immer mehr Verwandte, Onkel, Tanten… Wir begrüßen alle traditionell. Ich möchte so gerne einen der Saris anlegen, komme aber nicht dazu. Es gibt Essen und es schmeckt köstlich. Ich bin aber zu aufgeregt um viel essen zu können. Die Stimmung ist voller Zauber, ganz einzigartig. Alle freuen sich, weil Sai Baba heimkommt. Dann, als er gerade zur Tür hereinkommt und begrüßt wird werde ich…. geweckt !!! Ahhhhhh…..ich fasse es nicht, dass ich ausgerechnet JETZT geweckt wurde und dass ich das alles nur geträumt haben soll…?!