Schon beim Übertreten der Schwelle wird klar, dass dies nicht nur ein schöner Tuchladen ist, sondern dass hier Schätze lagern. Du suchst sie aber nicht, die Schätze, Du lässt sie Dir zeigen. Du setzt Dich einfach hin und deutest mit dem Finger auf einen Stoff. Dann wird er flugs rausgeholt und vor Dich hingelegt. Dann hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du knickst heftig mit dem Kopf, was  „ja, schön!“ heißt oder Du knickst weniger heftig mit dem Kopf, was soviel wie „Hm, nicht so ganz was ich wollte“ oder „vieleicht“ heisst. Ein „nein“ gilt als unhöflich hatte ich im Reiseführer gelesen. Wenn mir also was gefällt knickse ich begeistert mit dem Kopf. Wenn mir etwas nicht gefällt knickse ich nur leicht mit dem Kopf. Wenn ich begeistert knickse freut das alle drumherum und der Stoff bleibt liegen. Dann wird gefragt, was für eine Farbe Du gerne hast und schon geht´s weiter. Wenn mir was nicht gefällt knicke ich also nur schwach mit dem Kopf. Doch es bleibt dennoch da liegen und weiteres wird rausgesucht, was mir nicht gefällt. Es geht also nicht lange und die ganze Ablage ist voller Stoffe. Hm, hab´ ich da was mit dem Knicksen falsch gemacht…? Ich wende mich verunsichert an Guido. Ich bin erleichtert, dass er vermittelt, was mir gefällt und was weg kann. Ah, jetzt geht´s auf einmal! Stoffe werden auch wieder weggeräumt! Vieleicht übernimmt das hier den Mann? Nur wenn Guido sagt, was weg kann wird es auch tatsächlich weggebracht. Ich versuche dennoch besser zu werden mit dem Kopf knicken. Mittlerweile hat der Chef höchstpersönlich übernommen und lässt gleich drei Menschen flitzen. Ich registriere, dass mich das ganz schön nervös macht. Erstens dass überhaupt jemand auf Geheiss flitzen muss, dann gleich sooo viele und dann außgerechnet für MICH und zweitens kann ich nicht zuschauen, wie er die drei in seinem Barschton hin und her scheucht und zu uns dann wieder so freundlich ist. „Nur auf die Stoffe schauen Sian.“ Oh herrjeh. Ich drehe und wende mich von Pobacke zu Pobacke. Puh, macht mich das nervös, was ist es denn, das mich NOCH stört? Genau hinschauen, vieleicht, dass ich`s mal wieder nicht ändern kann? Oder geht´s um´s aushalten dessen? Aushalten können? Oder kann ich doch einfach gehen? Dann wird mir ein wundervoller Stoff hingelegt. Ich werde sofort ruhig. Er schaut wunderschön aus. Ich fasse ihn an, es ist um mich geschehen….er fühlt sich ganz weich an. Wundervoll! Er sieht aus wie fließendes Wasser mit zierlichen, rostbraun-goldenen Oranmenten, wie als würden diese auf Wasser….Wasser, so alt wie die Welt….schwimmen! Also WENN ich einen kaufe, dann DIESEN. Er ist so wundervoll, ich bin tief glücklich. Gefunden! Doch was ist jetzt? Noch mehr in dieser Art wird gebracht! Hallo? Keiner ist so schön wie DIESER, hört ihr? Haalooo, versteht mich denn keiner? Stoff um Stoff landet vor meiner Nase. Ich hab´ Angst, dadurch DEN EINEN aus den Augen zu verlieren und halte ihn daher krampfhaft fest. Nicht, dass DEN noch jemand wegpackt und man ihn dann nie mehr wieder findet…. Aber es nützt nichts, man will wohl nicht verstehen DASS ICH DEN EINEN BEREITS GEFUNDEN HABE. Nein, Stoff um Stoff landet vor meiner Nase. Ein BERG türmt sich vor mir auf. „NEIN.“ sage ich mittlerweile. „Nein, ich mag nicht den oder den da, denn ICH WILL DEN DA.  Ach ja, vergessen, nein gib´s ja nicht. Also geht´s weiter.

Wenn ich in Deutschland in einem Stoffgeschäft bin suche ich mir IN RUHE selbst aus, was mir gefällt und DANN sage ich: ich kauf den und gut ist. Bei Ikea schneidest ja sogar selbst ab….aber das ist hier undenkbar. Ich stelle fest, wie unangenehm mir das alles ist: -Das fordernde SCHAU her, -dann wie alle springen müssen, wenn ich auch nur eine kleine Andeutung eines Lächelns im Gesicht habe, – dabei gefällt mir das meiste doch gar nicht, -und auch wenn ich mittlerweile dennoch sage, dass es mir NICHT gefällt wird es mir dennoch angepriesen, wie toll das doch ist. Ach ja, es gibt ja kein NEIN. Hatte ich schon vergessen.  AHHHHHHHHH, wo ist der Ausgang! Also das wird mir definitiv zuviel. Ich muss aufstehen. Ich mag ja schon gerne weiter schauen, denn ja, ich spüre, da wäre noch etwas, aber was? Wie soll ich jedoch herausfinden, was es ist, wenn ich so bedrängt werde. Ich muss aufstehen, mag einfach selbst schauen, selbst drauf kommen, was es ist, was ich hier eigendlich suche und mag auch selbst schauen und entscheiden, was mir gefällt und was für mich passt und zwar OHNE  ZWANG und MUSS. Also stehe ich auf und laufe auf die andere Seite. Doch alle flitzen hinterher. Außer die rechte Hand vom Chef. Wie angenehm, es fällt mir auf, das dezente Zurückhalten, sie hat also verstanden. Drüben steht man aber auch auf. SCHWITZ. Weiterlaufen, nicht beirren lassen, doch huch, ich werde gebremst durch ein Podest. Ja du lieber Himmel, wofür ist denn das Podest? Ich beherrsche mich, NICHT draufzustehen und selbst die Stoffe aus den Regalen rauszuholen, denn ich habe da zwei total besondere Stoffe entdeckt: Einen rosa-grünen und einen blau-orangenen, sorgsam mit Perlen bestickt. Ich zeige auf diese beiden Stoffe. So, diese beiden will ich mir noch anschauen und keine anderen. PUNKT. Ja gerne! Das seien die besonderen Stoffe, wo von Hand die Perlen aufgestickt seinen. Ganz viel Arbeit! Oh ja, das denke ich mir! „So etwas nehme man auch nur für einen sehr besonderen Anlass, wie z.B eine Hochzeit.“ Ehrfürchiges andächtiges Staunen, eine besondere Atmosphäre. Ich werde von der rechten Hand des Chefs gebeten, auf das Podest zu stehen. Die Frau lächelt mich liebvoll anund freut sich offensichtlich, dass ich solch einen Stoff anziehen mag. Sie kommt auf das Podest mit mir und bindet mir auch schon den Stoff um. Es ist der blau-orangene. Mein erster Sari, den ich angelegt bekomme. Ich sehe die Frau an, die ihn mir anlegt. Alle schauen. ALLE. Wie peinlich ist das denn jetzt schon wieder !!! Ich versuche das zu ignorieren und mich auf den Stoff zu konzentrieren. Die Frau lächelt mich mit tiefem ruhigem Blick an. Wie ein Felsen in der Brandung. Ich entspanne mich. Dann schaue ich an mir herunter: Also da fehlt ja die Hälfte….man ist ja halbnackt! Da schaut doch der Rücken und der Bauch raus……oh jeh…. Guido übersetzt. Da käme ja noch die Bluse dazu, keine Panik. Die Bluse ist orange und und und…den Rest bekomme ich gar nicht mehr mit, denn ich WEISS auf einmal, warum ich diesen Stoff anhabe: Das ist genau DER Stoff, aus dem der Sari für die Darshan´s geschneidert wird !!! WOW, wie klasse! Ich sehe mich in ihm…aber auch in dem rosa-grünen, welcher sich ganz anders anfühlt….dann wieder in dem blau-orangenen….und spüre die Menschen drumherum, die bei den Darshan´s helfen. Sie finden statt! Die Darshan´s finden statt denn heiraten…? Ich spüre….und höre…. Musik….wunderschöne Musik, jeweils zwei verschiedene Energien sind das! Im rosa-grünen spüre ich zärtliche und im blau-orangen kraftvolle Energie. Ich schließe die Augen und rieche den Duft im jeweiligen Raum….eine jeweils wundervolle Energie….. Dann macht es auf einmal KLICK im Kopf und es schaltet sich der Verstand ein. Er sagt, dass ich als todkrank eingestuft wurde. Warum also Sari´s kaufen? Hat der Arzt, hat der Michael nicht gesagt….ich spüre, wie Kälte mich ergreift, EIS kalte Finger in der Nacht mich ergreifen und einen gellen Schrei. Sehe, wie das Krebswesen die Oberhand gewinnt. Es frisst mich auf, zersetzt meinen Körper. Was, wenn ich gar keine geben kann !!! Ich spüre Schmerzen. Auah, wie weh das tut! „SPÜRE das“ sagt der Verstand oder was auch immer das ist, „denn DAS ist die Wahrheit !!!“ Ich spüre es! Wie schnell jetzt die Kälte Oberhand gewinnt. Wie um mich herum die Farben verschwimmen, wie sich alles dreht, wie ich falle und die Menschen mich nicht mehr halten können, ich spüre mich zusammenbrechen und wie die Energie im Raum kippt. Wie jemand voller Sorge meinen Namen ruft. Wer war das? Jemand hält mich, doch ich gehe aus dem Körper. Ich riehe, wie der feine Geruch sich auflöst. Wie vom Duft nur kalter Rauch zurückbleibt, schal und feucht. Wie es zwielichtdunkel wird, als hätte jemand das Sonnenlicht ausgemacht. Es wird immer kälter. Ich stehe- in einer Ödniss. Mit abgestorbenen Bäume….spüre, wie meine Kraft schwindet…wie ich kalt werde und mein Odem weicht.

Ich sehe, wie ich in der Ödniss stehe und wie ich auf die abgestorbenen Bäume schaue. Abgestorben? Nein, da ist doch etwas grünes dran. Hm, den Baum da kenne ich doch. Ich habe ihn schon einmal gesehen. Wo? WO? Ich versuche mich zu einnern und dadurch kommt ein Funke Sonne zurück. genau auf das Grün. Ob das Grüne von der Sonne kommt? Sicher, das ist wohl wie in einer Höhle, wo Sonne hinkommt. Wenn da auch noch Wasser ist-da wird es grün und grün heisst? HOFFNUNG, das sage ich doch meinen Schülern immer! Der Baum ist also noch gar nicht tod? Was bedeutet das für mich? Und woher kenne ich bloss diesen Baum? Dann steigt die Erinnerung in mir auf: Es ist ein Posting von Danny Gross gewesen, das er im Facebook gepostet hat….ja genau! Ich komme zu mir. He, mal halblang hier, es gibt noch Hofnung Verstand. Meine Beine sind ganz kalt, ich habe Schmerzen. So ein Mist.Was tun? Ich fühle in die Energie. Ich spüre HOFFNUNG. Daran will ich mich festhalten „wie ein Ertrinkender am Strohhalm“ sagt der Verstand. „SEI SILL“ sage ich dem Verstand. Ich spüre Hoffnung. DAS ist EBENFALLS eine Wahrheit! Und ich kann mich entscheiden, so wie es die Tamarinde auch nochmals so deutlich gesagt hatte gestern! Ich verstehe nun NOCH tiefer, dass ICH mir meine Zukunft selbst kreiere, wenn ich daran festhalte, was der „Verstand“ sagt. Oder wer auch immer sowas zu einem sagt. Willst Du leben? JA, ich will. So, und darum kaufe ich jetzt ein. Ich nehme alle drei. UND Kurthas noch dazu. Wir bekommen Tee mit MIlch serviert. Aus einer Tasse, nicht in Plastikbechern. Wir finden Kurtha´s, schön verziert wie zu Hause und wie im Elbenland. Oh wie SCHÖN….. Ich vergesse, dass ich todkrank bin. Ich sehe nun das Elbenland vor mir. Laufe barfuss über das weiche Moos durch die tiefen Wälder zum See, welcher die Weltentore miteinander verbindet. Ich singe der Welt Lieder und sehe, wie die Bäume sich neigen und wie die Schwertlilien am See aufblühen…

Beim Nach-unten laufen sehe ich die Panjavidressabteilung. Oh, nur mal schauen, so „was für den Alltag“? Ich endecke ein wunderschönes zartrosafarbenes. Dann einen Traum aus Strass und Spitze in weiß. Sieht aus wie eine Brautausstattung, so wow, aber ich heirate ja nicht. Das zartrosane vieleicht? „Hm nein, das ist so Mädchen.“ Oh, aha, autsch. „Nimm doch mal das türkis- rote.“ „Anprobieren!“ besteht der Verkäufer. Hm, anprobieren. Ich wollte einfach kaufen und dann….“Doch, anprobieren!“ Eine Frau nimmt sich die Dress und zieht mich mit in die Umkleide. Ich bin so perplex und dann noch mit jemand mitgehen….also ich hatte doch nicht darum gebeten! Sie geht einfach mit! Sie dreht sich weg, als ich mich umziehe. Dann zieht sie mir die Hose an…ah jeh….kann ich doch alleine. Nein, das macht sie gerne versichert sie. Dann das Oberteil. Oh wie schön sagt sie, ich würde ja so schön aussehen. Kopfknicksen. Ich traue mich damit raus. Das ist definitiv NICHT Mädchen! WOW.  Als ich noch eines anprobieren mag und sie das nicht gleich mitbekommen hat erntet sie einen barschen Rempler vom Chef, der ebenfalls nun da ist. Ah, ich spring ihn gleich an. Die kleine zierliche liebe Frau anrempeln, das geht ja gar nicht! Sie erschreckt, schaut zu Boden und entschuldigt sich bei ihm, ich verstehe nur die Geste, aber es ist offensichtlich. Ich zeige ihr mit meinen Augen, dass ich das von ihrem Chef NICHT gut heisse. Sie lächelt und geht wieder mit in die Umkleide. Dann fasst sie meine Haare an. „Wie Gold“ sagt sie voller Strahlen im Gesicht. „So golden wie die Sonne und fließend wie ein Wasserfall.“ Ich werde rot. Wie sie heisst frage ich sie verlegen, sie freut sich darüber sehr, ihre Augen stahlen. Ihr Name sei Lakshmi. Ob ich den Namen kennen würde, er sei berühmt. Sie wächst mindestens 10 cm. Wie schön, ihren Stolz, ihre Würde sehen, ohne Arroganz! Ich bin berührt. WOW! Oh ja! Und wie! Ich LIEBE Lakshmi sage ich ihr, das freut sie noch mehr. Ich verstehe, dass sie mir den Namen erklärt. Nun ist sie nicht mehr zu halten. Sie hilft bei allen Schritten. Bringt raus, bringt rein….

….dann kommt der Schneider mit dem Maßband….

Als wir dann noch zu den Schal´s gebracht werden können wir noch so rigeros sagen, dass wir genug haben, man ist tatsächlich eingeschnappt, als wir nach all den Stunden sagen: NEIN keine Schals mehr !!! Nur Lakshmi versteht, aber sie ist ja nicht der Chef und hat zu schweigen. Und die rechte Hand vom Chef versteht. Sie findet den günstigen Moment und errettet uns. Geleitet uns nach unten. Puh, Gott sei Dank kam sie vorbei! Sie lächelt, als wir sie nach ihrem Namen fragen. Wird nicht müde, uns nach all den Stunden auch noch zu zeigen, wie man den Sari dann bindet WENN ich dann den Unterrock und die Blusen habe….Halt, stop, WIE meinte sie das….die Blusen habe…? „Alles wird zum Schneider gebracht. Am Mittwoch könnten wir abholen.“- Wie, Mittwoch? Wir wollen doch zu Sai Baba…. „Aber morgen sei doch Sonntag, Ostern!“ Ich sage: „Dann eben in vier Wochen, auf dem Rückweg, wenn wir wieder fliegen“ – „Aber dann wären wir gebunden, nicht frei, müssten wieder nach Bangalore reinfahren“ sagt Guido. Hm, was tun? Gut, dann Dienstag 18 Uhr sagt der Chef. Zugzwang, was tun, ENTSCHEIDEN. „Auf drei Tage kommt es jetzt auch nicht mehr an. Noch in den Tempel gehen könnten wir und es gibt ja noch den Park, den wir noch nicht gefunden haben. Vieleicht geht es Sai Baba bis dahin dann soweit besser, dass wir zu ihm gehen könnten.“ Hm. „Die Zeitung informiert uns ja“- und ich bin doch mit ihm verbunden. Ja, warum Stress machen. Ok, Dienstag 18 Uhr.

Vinodhini. P. :

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geleitet uns bis zur Türe. Sie ist so schön!

Lakshmi ist oben geblieben. Doch in Herzen ist sie mitgekommen. Ich spüre so viel Liebe. Ich werde sie nie vergessen. Es war heute so eindrücklich gewesen und diese beiden Frauen haben uns all die Stunden begleitet. Ich liebe sie. Ich liebe sie beide !!!

Lakshmi (Sanskrit, f., लक्ष्मी, Lakṣmī) ist die hinduistische Göttin des Glücks und der Schönheit, nicht nur Spenderin von Reichtum, sondern auch von geistigem Wohlbefinden, von Harmonie, von Fülle und Überfluss, Beschützerin der Pflanzen. Sie ist die Shakti, die erhaltende Kraft des Vishnu, und dessen Gemahlin. Vom Namen her ist Lakshmi in der indogermanischen Sprachfamilie etymologisch verwandt mit der schwedischen Lichterheiligen Lucia, dem lateinischen Lux (Licht) sowie dem englischen luck (Glück). Alle Begriffe sind die Attribute der Göttin.