Es ist Abend. Draußen ist es bereits schon dunkel. Ein Gewitter zieht auf. Es ist unsagbar drückend und schwül im Zimmer. Die Klamotten kleben auf der Haut. Ein bisschen frische Luft schnappen wäre doch jetzt gut. Aber rausgehen? Weniger. Durch das Fenster dringt nur feuchte und heisse Luft herein. Das ist keine Hilfe. „Hm……wir sind doch in einem Haus…..“- “ Ja, und?“- „Jedes Haus hat ein Dach.“-“ Und…?“- “ Ob wir mal hochlaufen und schauen, ob man hier auf´s Dach kann?“ Das wäre doch jetzt fein! So frische Luft schnappen….runterschauen…. Ausblick… „Wir könnten doch mal schauen..?“- “ Nun ja, warum nicht.“- Hach, das ist doch mal ein Wort, ich freue mich!  Gleich umsetzen. Schuhe anziehen….

Beschuht betreten wir das Treppenhaus und laufen leise die Treppenstufen rauf. Es wird immer dunkler, je höher wir steigen. Ganz oben ist nur noch eine Steige aus grob gegossenen Beton. Die Treppenstufen sind unregelmässig und haben Löcher. Einfach aufpassen. Dann, als es nicht mehr weiter geht sehen wir bereits duch eine schmale Tür das helle Licht vom beleuchteten Nachthimmel hereinscheinen. Ein frischer Wind weht. Hm…..schön…..“Ob wir da raus können?“-“ Weiss nicht. Einfach mal schauen?“ – “ Ob man das darf?“- “ Weiss nicht. Aber sieht ja keiner!“- “ Also einfach wagen?“- “ Ja, klar!“ Dennoch Herzklopfen. Wir haben das Gefühl, wieder Kind zu sein. Etwas wagen, nicht wissend, ob es funktioniert. Die prickelnde Freude, etwas Neues entdecken zu können. Der Mut, durch die Türe zu gehen wird belohnt mit einer Dachterrasse. Ca 80 cm hoch ist die Ballustrade aus Beton. Macht einen stabilen Eindruck. Erleichertung. Also da kann man ja mal runterschauen….oh….unten sind die Auto´s ganz klein. Wie kleine Machboxautos! Die Motorräder, die Menschen, die Bäume, alles ist ganz winzig klein!

Hubs, lieber mal nicht so weit rauswagen. Oh, was ist das da neben uns? Sonnenkollektoren. Links von uns sind Sonnenkollektoren angebracht. Ist ja richtig umweltbewusst! Klasse! Dim-Hie-TRie hatte mal erwähnt, dass man von allen Hotels, die es so in Bangalore gibt hier die Zähne mit dem Wasser bedenkenlos putzen könne, da das Wasser hier von der Sonne gewärmt wird. Meint er das? Dim-Hie-Trie lächelt still vor sich hin und geht hinter den Sonnenkollektoren entlang. Wo will er denn bloss hin? Hinter den Kollektoren ist ein schmaler Gang. Er führt zu einer schmalen steilen Eisentreppe. Er geht hoch. Sie führe auf eine weitere Terrasse. Aha…? Das ist ein Wasserbassain. Wie schön! Wasser auf dem Dach. Wie…da hochgehen? …. Mein Herz setzt fast aus bei dem Gedanken, doch ich laufe bereits hinterher. Hui,  geht´s da runter…na, da lieber mal nicht hinschauen. Lieber hoch in den Himmel schauen. Oh wie shön der Himmel ist! So samtenschwarzblau! Und der Wind, so köstlich frisch, eine Wohltat. Hier ist der Wind NOCH frischer und der Himmel NOCH dunkler. Da muss der Park sein, den wir noch nicht gefunden haben! Hinten am Horizont ist das Gewitter in den Wolken zu sehen. Sterne leuchten glitzernd und funkelnd am Himmel. Der Mond leuchtet hell. Er ist ganz nah. Der Himmel ist so wundervoll samtenschwarzblau.

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Wir setzen uns auf das Wasserbassain. Schauen in den Himmel, schauen auf den Horizont. Auf die bunten Lichter, den schönen Himmel. Wir sind in INDIEN! Wie wunderbar! Ein Herzensmoment. Ein überwältigendes Gefühl! Ganz besonders. Ein wundervoller Abend. Wir sind glücklich, genießen den Moment und singen gemeinsam das Gayatri Mantra.

Gayatri kommt aus dem Sanskrit und ist die weibliche Form von gāyatra. Bezeichnend im Hinduismus ist das Gayarti Mantra die bedeutendste vedische Hymne. Gayatri ist das Versmaß, in dem das Mantra geschrieben wurde und wendet sich an Savitar, dem Licht der Sonne bei ihrem Auf- und Untergang.

oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ

tát savitúr váren yaṃ

bhárgo devásya dhīmahi

dhíyo yó naḥ pracodáyāt

 

Om, wir meditieren über den Glanz des verehrungswürdigen Göttlichen,

den Urgrund der drei Welten: Erde, Luftraum und himmlische Regionen.

Möge das höchste Göttliche uns erleuchten,

auf dass wir die höchste Wahrheit erkennen.

 

In diesem Sinne: Urah lag Nuah, ihr Lichter, wo immer ihr auch seid!