Wir reihen uns in diese Schlange ein. Es ist nicht so recht ersichtlich, wo man hier konkret für was genau anstehen muss. Eine blonde Frau mit einem dünnen Rucksack läuft an uns vorbei. Hm, war SIE das? Ich bin mir nicht sicher. Mein Kopf tut aber auch so weh. Mysore-Mysore sagt monoton die Stimme. Sie kommt aus einem Lautsprecher. Sie sagt noch mehr, aber ich verstehe es nicht. „Wohin jetzt?“ frägt Guido. „Das sind doch eindeutige Zeichen. Wir hatten ein gutes Gefühl bei Mysore mit den Zetteln, weißt Du noch?“ Hm, ja, da war doch was…ach Mist, mein Kopf dröhnt. Doch! Stimmt! Wir hatten ja Zettel gemacht, die Tage zuvor. Hatten Namen mit Städten draufgeschrieben, zusammengefaltet und hineingespürt. Bei Mysore hat es sich harmonisch angefühlt. Bei einer anderen Stadt spürte ich.- Durchfall. „Alle schwärmen von Mysore, egal, wen man frägt. Weisst Du noch, die Inderin am Flughafen?“ Ja, ich erinnere mich. Sie hat Mysore in den höchsten Tönen gelobt. Sie sagte, dass es das Romantischste überhaupt in ganz Südindien sei. Der meines Erachtens nach aufdringliche Mann bestätigte das. Hm. Aber den mochte ich eh nicht. Subjektiv. Sowas kann die Entscheidung bekanntlich sehr beeinflussen. Zählt also nicht. „Und weil es sooo romantisch sei darum alle Verliebte nach Mysore gehen würden“ sagte sie noch. Warum hatte ich sie gefragt, was da das Besondere sei? „Wegen dem Maharadhschapalast“ hat sie gesagt. „Weil da abends Tausende von Lichter an sind. Weil die Stadt so schön sei. Und dass es da einen heiligen Berg gäbe, auf den man pilgern könne und von wo man über die ganze Ebene schauen könne. Das sei besonders abends wundervoll, weil die Stadt dann in ein funkendes, glitzerndes Lichtermeer eingetauscht sei.“ Ja, so genau sagte sie das. Damals schon. Am Flughafen. In Dubai. Hm…..

Also ja, soweit schon vorher wurde uns Mysore genannt….warum wohl? Vieleicht DARUM, wegen dieser Entscheidung…und ja, das würde ich schon gerne erleben da hoch gehen….aber….ABER…. das BEGRÄBNISS !!!! Ich sehe gerade so deutlich die Augen der Inderin vor mir, wie sie mich mit schwärmendem Ausdruck in den Augen angeschaut hatte und nochmals betonte: „sehr romantisch.“- „Sie meinte auf dem Berg den Durgatempel.“ sagt Guido und das holt mich in die Realiät. „Da wollten wir doch hin.“ Ja, da wollten wir hin. Ich spüre, das ist eine wirklich wichtige Erfahrung, die ich da machen werde. – Ah, ich kann gar nicht richtig nachdenken, mein Kopf, mein Arm….wie nervig. -“ Ok. Wir versuchen es so: Siehst Du uns da Sian?“ -Ja. Ich sehe uns da. Und es ist eine einschneidende und sehr wichtige Erfahrung, die ich da machen werde…. scheint wirklich wichtig zu sein im Tempel diese Erfahrung zu machen. Und Feuer, ich sehe und spüre Feuer…. „Und im Maharadschapalast? Siehst Du uns da?“ Ja, da sehe ich uns auch. Ebenfalls eine sehr intensive, eindrückliche Erfahrung. Ich sehe eine glühende Sonne… und Menschen, die uns grüßen… Guido zählt nochmals auf, wie anstrengend es wäre, zum Begräbniss zu fahren. Und dass er die Energien da nicht spüren will. Er Sai Baba lieber in seinem Haus besuchen mag. Ja, spürt sich gut an, richtig….ach ich bin hin und hergerissen. Die eine Stimme sagt. „fahre zum Begräbniss“ Dann spüre ich all das, was ich geträumt habe und auch, dass alle Taschen weg sind und es vom Körper her nicht gut geht.  Die andere Stimme sagt „das Land anschauen. Mysore-Nilgiris. Kommt an in Kodaikanal“.

Auf welche hört man? Welcher Weg ist denn überhaupt im Leben „DER Richtige“? Gibt es überhaupt sowas wie „fasche“ Wege? Dim-Hie-Trie sagt da immer: es gäbe nur sowas wie Umwege und die machen ortskundig. Und dass es egal sei, was IST denn das sei nur Auswirkung. Wichter sei vielmehr, WIE reagieren. Ich lasse mich überreden nach Mysore zu fahren. In der Schlange sind wir falsch. Die Tickets gäbe es nebenan. Dort steht auch, wie soll es anderst sein, das Pärchen. Hui.

Die blonde Frau steht auch am selbigem Schalter an. Ist SIE das? In diesem Moment holt sie aus ihrem Rucksack – eine Wasserflasche heraus während Guido und ich gerade denken : Ist sie alleine unterwegs? Das ist ja mutig… Ich schaue auf ihre Hand: Sie hat – einen Indienführer in der Hand. Klar, alles klar. Das Pärchen redet unterdessen ganz lieb miteinander. Ich höre ihnen zu, verstehe aber kein Wort. Guido bittet mich, aufs Gepäck aufzupassen. Er würde dafür am Schalter anstehen um die Tickets nach MYSORE zu erwerben. Ja, Mysore, beschlossen jetzt. Irgendwann MUSS man sich ja mal entscheiden. Ach mich schmerzt, dass ich nicht zum Begräbniss komme. Dass es nicht geht. Ich bleibe daher noch eine ganze Weile im Herzzschmerz stehen und schleppe dann die beiden großen Rucksäcke, unsere zwei Schultertaschen und all die Tüten mit unserer kostbaren Fracht, den Sari´s und Kurtha´s für die Darshan´s an einen Pfosten. Ja DEN Pfosten und beobachte die Menschen. Trotz all dem Gepäck scheint mich niemand zu sehen. Als sei ich unsichtbar. Alle gehen drumherum, aber keiner scheint mich wahrzunehmen, wie überaus praktisch. Ich stehe am Pfosten… bewache das Gepäck… und niemand – NIEMAND, auch Guido nicht, der gerade 2 Meter von mir entfernt steht und mich sogar schon dreimal angeschaut hat sieht mich NICHT !!! HIHI, bin ich – UNSICHTBAR ??? Belustigt schaue ich mir das an. Guido´s fragender Blick: Wo ist sie bloss hin? Dabei stehe ich doch genau vor ihm! Erst als ich winke, winke, winke und lache sieht er mich.“Ich hab Dich gar nicht gesehen!“ sagt er  und frägt nach einem Kugelschreiber. Ah, wieder was ausfüllen…