Wir sind nun vollzählig, kein Platz ist mehr frei, außer auf dem Sitz zwischen dem Busfahrer und dem Reiseleiter, aber das stimmt so auch wieder nicht, denn darauf sitzt ja der Dim-Hie-Trie, der still vor sich hin lächelt, weil sich nun endlich der Bus in Bewegung gesetzt hat. Wir tuckern, gemütlich vornübergebeugt von einem Schlagloch ins nächste hinein. Menschen mit Handkarren ziehen rechts und links der gewaltigen Schlaglöcher geschickt darum herum jonglierend daran vorbei. Wenn man da hineingerät ist es nicht leicht, den Karren wieder heraus zu bekommen denke ich so bei mir, da passt man also lieber auf! Wums, nächtes Schlagloch. Sag mal, kann der Busfahrer nicht besser aufpassen? Nein, er schaut auch nicht auf die Strasse sondern auf das bunte Treiben draussen. Ein wildes Durcheinander. Ob es wohl überhaupt sowas wie eine Strassenordnung gibt? Wums, nächtes Schlagloch, ich spüre Schmerzen im Bauch. Boah, warum macht man denn nicht einfach die Strasse? So ein Unding! Man muss ja ständig auf der Hut sein! Stört das niemand? Immer wachsam, immer voll und ganz „da“…. wie im „richtigen“ Leben. Ich spüre, wie man es als gegeben hinnimmt, nun,  man kennt es eben nicht anders, nimmt es darum wohl auch als so selbstverständlich, als gegeben hin. Ich schaue in die Gesichter der Menschen, während ich die Hand auf meinen Oberbauch presse und die Naturwesen festhalte, dass sie nicht noch aus ihrem Jasminblütennest auf den Boden herausfallen, während wir schon im nächsten Schlagloch landen. Oh man, die armen Stossdämpfer denke ich so bei mir…. wums, nächstes Schlagloch….ahhhhh, mein Bauch tut nun voll weh…ich versuche mich abzulenken, in dem ich rausschaue. Überall sind Menschen unterwegs, ein sehr geschäftiges Treiben, die Stadt brummt und flimmert vor Hitze. Ich mag nach einer Woche Gefängniss im Hotelzimmer aber weder das bunte Treiben, noch das Flimmern. Ich mag auch den ewigen süsslich verwesenden Gestank nicht mehr riechen….ich mag nur noch heraus, endlich die Weite spüren und kann es kaum noch erwarten, die weite Ebene und das sumpfigs Grasland zu fühlen, wie es Hunderte von Wasservögel anlockt. Das endlich links und rechts neben mir zu spüren wäre so herrlich….und tatsächlich, irgendwann sind auch wir aus der Stadt heraus! Es erstreckt sich eine unglaubliche Weite…

…es schaut alles so wunderschön aus, nur dass man es nicht genießen kann, weil die Strasse einfach nur eine einzige Katastrophe ist….das Sitzen ohne Schmerzen ist mir und Guido unmöglich. Ich habe das dringliche Gefühl, dass er wirklich einen Bandscheibenvorfall hat. Die ganzen Symtome kenne ich von Stephan, als er vor Jahren diesen schlimmen Bandscheibenvorfall hatte….doch ich kann ihm nicht helfen, zumindest jetzt nicht, denn mich zerreisst es innerlich vor Wundheit, mir ist schon ganz schwindelig vor Schmerzen und ich schließe daher die Augen….atme und lasse Weite in mich strömen. Schon befinde ich mich in meinem Ätherkörper. Da ist es einfach besser zum aushalten, ein gewohnter Rückzugsort scheint mir das zu werden….. Ich frage mich, ob ich das wirklich schaffe, diesen wunden Körper wieder gesund zu bekommen. Ob es mir tatsächlich möglich ist, ihn jemals wieder gesund zu bekommen? Dim-Hie-Trie dreht sich herum. „Aber ja doch“ sagt er. „Da muss und wird halt noch viel passieren müssen, aber Du bist nah dran und hast große Hilfen.“ Ja, das spüre ich und es fühlt sich dennoch weder einfach noch leicht an. Es wird noch jede Menge Arbeit sein…ich muss mich sehr zusammenreissen, nicht dem wunden Körper zu entschwinden, denn es erscheint mir so leicht, ihn verlassen zu können, alles hinter mir zu lassen… einfach zu sterben….nein, ich will meine Kinder wieder sehen Herrgottnochmal…ich atme heftiger und versuche, einfach an „gesund sein“ zu denken. Das kann man am besten im kausalen Körper. Also schwinge ich mich da hinauf. Doch es fühlt sich schwer an, so da drinnen. So viele Farben, Eindrücke und Wesenheiten, alles „schwingt“…. ich „sehe“ die Landschaft und die verschiedenen Epochen…und beginne alles von oben zu betrachten….zu reisen….zu sehen…

…wohin gehen wir…? Wir reisen nun in die Nilgiris, wo auch Sai Baba ein Haus am See hat….wenn ich mich mit meinem kausalen Körper auf die Nilgiris, die „blauen Berge“ einschwinge sehe ich eine blau schimmernde Aura, fühle eine tiefe Ruhe, aus der wie ein Quell eine heilsame Kraft in alle Körper, die ihn bereisen zu strömen scheint. Es fühlt sich wundervoll an… darum gehen wir da hin….? Ich sehe uns da durchlaufen….es ist warm, wir sind barfuss, das Moss fühlt sich feucht und unendlich weich unter den Füßen an….ich fühle mich in der altvorderen Zeit… und alles ist blau schimmernd…. welch eine wundervolle Aura, in die ich da eingetaucht bin! Es fühlt sich fast an, wie als sei da eine Schnittstelle zwischen den Welten, als könne man von der einen in die andere hinüber laufen. Es ist wie damals, im Elbenland und der Menschenwelt, wo man an bestimmten Tagen, an bestimmten Stellen zwischen die Welten reisen konnte… ich falle hinein in den Emotionalleib und sehe pflaumenblauviolette, lilalichtgrüne Kelchblumen, die sanft im Wind wehen.  Sie sehen fast aus wie die Nugrisblumen und Tränen laufen daher in meine Augen….sie wehen hin und her, als ob sie tanzen würden, im sanften kühlen Wind, der über die Berge herrüber weht…. auf einer dichten, wolligen Graslandschaft stehen sie, wo wilde Pferde friedlich grasen….ich versinke komplett in dieser Landschaft…. sehe mich von oben da liegen….und gehe dabei im Zeit-Raum Gefälle hin und her… lande bei den Toda´s….dass es energetisch ein sehr hochschwingender Ort ist haben sicher auch sie, die Toda´s gefühlt. Ich spüre sie als die Hüter des Platzes.  Das Gebiet um Udagamandalam war ganz sicher nicht umsonst Heimatland der Toda´s, einem Bergstamm von Hirten, die in fast völliger Isolation von den Städten des umliegenden Flachlandes lebten…. „Auch heute noch soll es vom Stamm der Toda´s ein Volk geben, das in der Stadt ihre Wolldecken und Ponchos verkauft.“ sagt Guido. Doch zuerst einmal halten wir mitten in der Landschaft auf einem Rastplatz an.

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Der Reiseleiter erklärt durch das Mikro in zwei Sprachen, dass wir nun nach dieser langen Fahrt ( wie lange sind wir denn schon gefahren….? ) hier nun eine dreiviertelstunde Rast machen werden. Dass wir etwas essen können und die tolle Seide von Mysore sowie das berühmte Sandelholz einkaufen können. Natürlich zu einem supergünstigen Preis. Während er lauthals ins Mikro schreit komme ich mir vor wie auf einer Busfahrt. Mit integrierter Möglichkeit eines „supergünstigen“ Einkaufs…es ist eine scheusliche Energie, weil sie so derart verlogen ist. Wir können herauskommen und uns die Beine vertreten sagte er weiter. Wir können aber auch im Bus sitzen bleiben sagt er, süßlich lächelnd und treuherzig dreinschauend. Alles ganz wie wir wollen. Das Herumlaufen auf dem Platz würde dann 70 Rupies kosten. Guido frägt nach. Das wäre hier so, weil wir den Platz nutzen. Es sei sozusagen Standmiete erklärt er. Ich bin noch gar nicht ganz da. Mich verwirrt es, so ruckartig wieder „dazusein“ und dann gleich so einen verlogenen Mist zu hören. Ich sehe es ihm einfach an, dass er lügt, denn seine Abstrahlung in den Körpern stimmen in der Energie nicht im geringsten überein. Mein Kopf schwirrt. Ich bekomme es gar nicht sortiert. Was sagt er da alles alles? Die Menschen steigen eins nach dem anderen aus. Sie bekommen gar nicht mit, was „wirklich“ ist.  Wie auch. Sie sind ja wie abgeschnitten von ihren Körpern. Eine „moderne“ indische Familie, ohne die schöne traditionelle Gewandung sondern in westlicher Kleidung läuft gerade an uns vorbei. Der Junge spielt auf seinem Gameboy ein Ballerspiel. Sein Gesicht zuckt. Wie alt mag der Junge wohl sein? Vieleicht 12 Jahre alt? Höchstens. Das Mädchen trägt ein quitschrosa Hemd mit aufgeprägtem Silberdruck. Es fühlt sich nicht schön auf der Haut an. In der Haut auch nicht. Klar. Juhu, Tod durch Kopfschuss freut sich der Junge und ist stolz auf sich. Der Vater lächelt. Autsch. Viele würden jetzt sagen „ist doch nur ein Spiel“ Für Kinder? Oh man, wie abgestumpft. Und egal, man zahlt halt, wenn man zahlen „muss“ und schaut sich dafür dann um: was wird einem dafür denn geboten? Von jedem, den der Reiseleiter herauskommen sieht lässt er sich 70 Rupies bar auf die Hand geben und lässt dabei das Geld in seiner Hosentasche verschinden. Während er das Geld einsteckt wird sein Grinsen im Gesicht immer breiter. Das gierige Funkeln in seinen Augen schaut gar nicht schön aus. Ahhhh…… warum sind nur so viele Menschen immer so gierig aufs Geld…??? Mich schmerzt das, gerade jetzt kann ich das gar nicht brauchen, immer alles sehen zu können, denn dann kann man es AUCH FÜHLEN und das ist gar nicht schön, das immer alles fühlen zu können, denn es SCHMERZT. Ich will aus diesem „immer alles sehen können“ endlich aussteigen und steige daher aus dem Bus aus. Mir ist einfach nur speiübel.