Wer die Tür auf(bekommen) hat, die Schwelle überschritten hat, hat jeweils mindestens zwei weitere Möglichkeiten. Weiter hineingehen oder nur schauen. Einlassen oder seinlassen. Ja oder nein. Gerade oder ungerade. Hinsetzen oder stehen. Hoch oder runter, links oder rechts. Schwarzweiss oder bunt. Eine wundervolle Atmosphäre. Weite, Landschaft. Berge. Täler. Himmel. Erde. Glauben. Vertrauen. Ein wundervoller Duft steigt mir in die Nase. Getragen. Gehalten. Beschützt. Heilig. Einlassen-devinitiv einlassen. Es duftet wundervoll. Ich spüre in den RAUM. Hier kann ich mich auf das, was geschieht einlassen. Egal was kommt, es ist richtig. Ich kann mich öffnen. Hier werde ich gehalten. Er/Es ist stark genug. Ein Besen steht in der Ecke. Es ist so sauber, dass man sich in voller Länge auf den Boden werfen mag. Hinlegen. Einlassen. Hingeben. Definitiv JA.

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„Dann bedeutet es ein Ja.“ höre ich. „Ein Ja bedeutet ja“. Wer hat das gesagt?  „Ich.“ „Wo bist Du? – „Hier“ Von wo kam das? Es scheint im Raum zu sein. Der Geist dieses Ortes?  Ich schaue mich um. Gehe hinter den Altar. Ich darf ganz nah kommen. Die Statue hinter dem Altar schaut mich an. Ich gehe Treppen. Sie sind steil, aus dem Felsen gehauen. Schon tausendfach gegangen. Den Berg hoch. Männer in weinroten Kutten. Da, ein Brunnen. In einer Kurve. Davor ein Baum. Erholen. Atmen. Das Herz beruhigen. Schwitzen. Wasser trinken. Aus einer Schale. Die immer dabei ist. Dann geht es wieder. Weiter laufen. Zum Kloster. Ich habe keine Worte denn ich war gerade da. Nur weil ich in seine Augen blickte. Oh bitte, darf ich ein Bild machen? „Ja.“

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Oh, ich darf ein Bild machen. Freude. He, was machst Du. Das darf man nicht. Aber ich habe gefragt! Wen, den Mann da hinten? Da ist wirklich ein Mann. Nein, den habe ich nicht gefragt. Es ist unhöflich. Unsittlich. Ihm und dem Glauben des Volkes gegenüber. Ich schäme mich. Ich bin entsetzt. Darüber hatte ich gar nicht angedacht. Wie entsetzlich. Ich werde rot, wende mich ab und gehe weiter, beide Erlebnisse sind mir ganz nah gegangen. Unter die Haut. Alles hier geht mir unter die Haut. Es ist ein Raum, in dem man singen mag. Oh, so gerne mag ich singen, der Guido vieleicht auch? Ob ich fragen darf? Guido schaut sich alle Statuen an. Vorsichtig nähere ich mich. Herzklopfen- ein Anliegen trage ich nun in mir. Einen Herzenswunsch: Zusammen singen. Oh, ich liebe es wenn man gemeinsam singt und es passt. Es ist schön, es ist mehr als „schön“ es ist wunderwunderschön, es ist harmonische Kovergenz. Es ist Poesie… es ist teilen…bitte bitte teilen. Zusammen teilen. ALLES teilen. Gemeinsam hinsitzen und das Gaiatri-Mantra singen? Herzklopf. Nein. Herzsteh. Blut in den Adern steh. Warum nicht? Was sollen die Leute denken. Welche Leute? Es kommen Leute. Ich gehöre nicht da hin. An diese Seite. Der Blick sagt alles. Ich bin fehlplatziert neben ihm. Was wollte ich? Mich hingeben.

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Na aber doch nicht in eine Emotion dieser Art. „Warum nicht?“- „Weil es mich verletzt“. „Gerade dann.“ Mag ich aber nicht. Also rausgehen? Nein. Alleine singen? Ja, aber dann auch wirklich alleine. Wie gewünscht wende ich mich ab. Soll ja keiner sehen, dass hier auch ja kein Paar ist. Tja, vieleicht hätte ich bessere Chancen gehabt, wenn ich ein Mann wäre. Uih, was für ein Spruch, ich scheine verletzter zu sein als ich dachte. Ich gehe, so weit wie nur möglich weg. Ganz hinten, auf den weinroten Teppich. Schluck. Was war das denn.

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„Was spürst Du?“ -„Stacheln. Stiche. Hitze.“ -„Wo?“-„Im Herzen.“ Zurückgewiesen. Kein schönes Gefühl. Ich hoffe voller Inbrunst nicht alleine sitzen zu müssen. Der Raum füllt sich mit Menschen. Na wunderbar. Sitzt einer hin setzen sich die anderen auch hin. Und doch sitze ich alleine. Ich sehne mich danach, nicht mehr alleine sitzen, habe aber doch was ganz anderes gemeint! Ich mag so gerne meinen Kopf sinken lassen, anlehnen. Nah sitzen, zusammen. Hand in Hand. Jene warmen EINEN Hände spüren, die ineinander passen. Energie, die dazwischen warm strömt pulsieren spüren. Nähe, die berührt und keinem von beiden peinlich ist. Niemals. Jene Hände, die ineinander passen…. Hinter mir ist, ganz versteckt, der menschliche Hüter des Ortes. Er ist es, der den Boden sauber hält. Schäm, ich habe Bilder gemacht. ich bin schon rot vor Hitze und Scham, röter kann man gar nicht werden. Er lächelt. Ich lächle zurück. Alleine kann ich das Mantra nicht singen. „Was möchtest Du?“ Hm, singen. „Dann singe, töne, auf die Deine Art.“ Wie alle Wesen in den Wässern tönen, wenn sie loslassen, was in ihnen ist, wenn sie frei lassen, was in ihnen gebunden war, wenn sie dem Wind Botschaften vermitteln töne ich. Es kommen die Sylphen. Tragen hinfort. Im Raum geht es wie eine Welle. Löst im Wasserelement derjenigen, die wollen los. Auch das wird getragen, umspült im Raum alles. Man entspannt, hört hin, denkt nach, lässt los und denkt, es sei aus dem Lautsprecher. Als ob es dazu gehöre. Ich fühle, wie alles zusammen bunt ergibt. Jeder Mensch, jedes Tier, jeder Gedanke, jedes Gefühl. Es gibt nur Energien. Nichts weiter. Es gibt nur bunt. Verschiedene Nuancen. Alles IST und SCHWINGT und alles gehört dazu..

Ich beginne zu begreifen, dass auch ich loslassen muss. Und nicht nur ich. Ich beginne zu begreifen, dass ich gar nicht unterscheiden mag, was ich davon schlimmer finde. Ich beginne zu begreifen, dass dies nicht leicht sein wird. Für keinen. Dass dies nie leicht ist wenn man sich davor scheut. Dass man sich eher Mechanismen einbaut, als sich selbst anzuschauen. Ich werde die Mechanismen erkennen, sehen was HINDERT und anschauen. „Ja. Das wirst Du.“Ich lasse es los und werde es machen. Für mich. Für den anderen. Ich und der andere sind EINS. Ich beginne zu begreifen, WIE SEHR alle EINS sind, wie SEHR alle die gleichen Verletzungen, Ängste, durchmachen und  Scham, Hilflosigkeit, Wut, Trauer und Schmerzen empfinden, wenn auch ein jeder auf seine Art und Weise. Ich beginne zu verstehen, dass alle den gleichen Weg gehen. Dass es notwendig ist den Weg zu gehen. Und dass dies nicht leicht ist. Ich glaube, dass wir alle dafür Hilfe brauchen. „Das hat ein jeder. Das hast auch Du.“  Ja, das habe ich, tausendfach. Es ist dennoch nicht leicht, auch wenn man Hilfen hat, man muss selbst gehen. Ich schaffe das. Ich werde weiter gehen. Das motiviert. Auch den anderen. „Erwarte es nicht“. Erwarte NICHTS. Ja, ist gut. Und qwenn doch schaue ich mir an, warum ich erwartete. Und wenn ich erschöpft bin werde ich ausruhen. Und dann wieder weitergehen. Schauen, was noch kommt, denn ich spüre, da kommt immer noch mehr. Bis NICHTS mehr kommt, es sich auflöst. Werde ich es loslassen können, das ich so unbedingt halten will, das ich nicht loslassen will? „Ja, das wirst Du.“ Ich sehe ausgetretene Wege. Schon tausendfach gegangen. Ein steiler Weg. Schon tausendfach hinauf und wieder herunter gelaufen. Beim Hinaufgehen treibt es den Schweiss aus den Poren. Das Herz schlägt. Dann gibt es den Brunnen. Man freut sich auf ihn. Kühes Bergwasser. Ein Baum, der Schatten spendet. Grenzen. Man überwindet sie. Denn es gibt in sie in Wahrheit gar nicht, die Grenzen.