Am nächsten Morgen erfahren wir, dass es wegen den ungewöhnlich schweren Regenfällen heftige Erdrutsche gegeben hat. Die Strasse, auf der alle offiziellen Busse fahren seien somit für unabsehbare Zeit unpassierbar geworden sagt man uns. Dies würde bedeuten, dass wir, so wie wir es geplant hatten nun nicht nach Kodaikanal kommen können. Und somit auch nicht zu Sai Baba´s Haus am See. Sollten wir Heimkehren ohne je in Sai Baba´s Haus gewesen zu sein? Diese Vorstellung ist so schmerzlich und wir „sahen“ uns doch dort.. das sollte nun nicht mehr möglich sein? Nach zweistündiger Verhandlung erklärt sich der Vermittler eines privaten Fahrers bereit, uns auf einer alten Route hinunter in die Ebene nach Kodaikanal zu fahren. Wir müssten jedoch mit einem Umweg von mehreren Stunden rechnen. Und es würde auch recht viel mehr kosten als „normal“. Wir sind sehr, sehr dankbar über diese Möglichkeit, packen unsere Rucksäcke in den Kofferraum um uns auf den Weg nach Kodaikanal machen zu können. Welch Freude! Ich küsse den kleinen Ganesha, den wir geschenkt bekommen hatten und mag ihn gar nicht mehr aus der Hand geben.

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Wir genießen die schöne Fahrt, die uns durch Teeplantagen führt.

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Es ist eine sehr schmale Strasse, mit ettlichen Serpentinen und haarnadelscharfen Kurven. Kein Bus, auch kein Kleinbus könnte hier fahren. Mitten in solch´ einer Kurve gibt es einen STOP.

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Die ganze Strasse ist voller Menschen. Das ganze Dorf scheint auf den Beinen zu sein. Doch es ist kein Auto weit und breit! Den langen Weg hier hoch scheinen alle gelaufen zu sein! Welchen Anlass es hierfür gegeben hat und wer genau hier angebetet wird wissen wir nicht.

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Ich merke nur, wie sehr mich das „Anbeten“ tief im Inneren aufregt, was ich jedoch bei genauerem Einfühlen auch wieder nicht so Recht verstehen kann, da wir Sai Baba, Amma oder Mutter Meera ja auch verehren…. vieleicht ist das auch nur, weil mir der nächtliche Alptraum, der sich ebenfalls über´s „Anbeten“ handelte noch in den Knochen sitzt? In der Nacht war es im Gegensatz zu allen anderen Übernachtungen sehr still und sehr dunkel im Zimmer gewesen. Guido schlief schon tief und fest und Dim-Hie-Trie saß auf dem Sessel neben dem Waschtisch und meditierte. Er scheinte Besuch zu erwarten, denn auf dem zweiten Sessel hatte er ein mit Goldfäden besticktes Kissen drapiert und auf den Intarsientisch Tee mit feinstem Gebäck in einer kostbaren Schale aufgestellt. Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn als ich „aufwache“ war da ein helles Strahlen im Zimmer. Auf dem Platz im zweiten Sessel hatte ein „Zwerg“ der sich mit „Vamana“ vorstellte PLatz genommen. Ich bin mir da aber überhaupt nicht sicher, ob dieser Vamana wirklich „nur“ ein Zwerg war, dem Leuchten nach jedenfalls nicht. Bei Dim-Hie-Trie ist es ja auch so, dass er weit über sein Erscheinungsbild „Zwerg“ hinausgeht. Großes verbirgt sich so oft hinter einer Unscheinbarkeit, das Äußere ist meistens eine Tarnung. Ich schaute also genauer hin. Vamana hatte einen Schirm dabei. Regnet es etwa draußen? „Vielleicht sehe ich den Schirm auch nur, weil es ja so geregnet hat“ dachte ich so bei mir, warum sonst sollte er einen Schirm dabei haben? Die beiden unterhielten sich lustigerweise über „Tarnung“, „Schein, „Blendung“ und über „Anmaßung“ welche laut Vamana lediglich: „…eine Unfassbarkeit des Geistes sei, der die Weite…Tiefe und Größe der LIEBE…nicht wahrzunehmen vermag“. Interressanter Gedanke! Vamana erzählte Dim-Hie-Trie sein „Herabsteigen in die Materie“. Und das „Nicht Erkennen Seiner“ sowie über „die Bewilligung von drei Schritten Land.“ Dann lachten beide. Hä? Ich verstehe nicht? Und wohl darum schweift mein Blick auf den Tisch. Darauf liegt ein Dokument, eine Art Geburtsurkunde. Ich sehe meinen Namen drauf stehen, als Mutter… erkenne die Zahl „13“. Oha? Ich will genau schauen: 3112013. Doch je mehr ich mich darauf konzentrieren will desto mehr zerfällt es in tausend kleine Lichterscheine, die aus Lampen heraus zu brennen scheinen. Ich will nun unbedingt ein Stück des Papiers retten und greife daher hinin in ein „Bild“: Und sehe mich plötzlich total verängstigt und in Panik geraten in meinem Haus an der Treppe stehen. Es brennt Kuhdung und draußen scheint es tiefster Winter zu sein. Es ist unfassbar kalt, obwohl das Feuer in den Öfen lichterloh brennt. Jemand Orangenes trägt Holz herein. Mir ist grauenhaft schlecht. Ich legte mich daher auf dem Boden und träume mich von da in den Durga Tempel nach Mysore hinein und erlebe, wie ich gerade das Feuer in mich aufnehme. Entsetzt löse ich mich von diesem Bild und sehe wieder die tausend kleinen Lichterchen brennen. Und wie Kuhdung brennt. Es ist nun aber sehr, sehr warm, fast schon schwül. Ich bin wohl in eine Art Lichtfest geraten und trage einen edlen Sari. Dunkelhäutige Menschen singen und beten ein kleines Mädchen, das auf einem Podest sitzt an. Es hat mehrere Gliedmassen und lächelt erfreut, als es mich sieht. Meine Gedanken schmerzen, alles tut mir weh, denn es sollte, wenn es ein „normales“ Leben führen mag doch endlich operiert werden! Niemand hier versteht meine Sorge darüber, es ist in ihren Augen „eine Gottheit“ und diese wird angebetet und nicht operiert! Ein „eigenes“ Leben? Wozu? Ich bin entsetzt und frage mich: brauchen denn Menschen immer was zum Anbeten?! Ich habe von all dem Zinnober mit der Anbeterei entgültig GENUG und bahne mir den Weg zu „meinem“ Mädchen, will es da endlich herunterheben und trete geradewegs in einen Misthaufen. Dass ich alle „während der Zeremonie“ störe entsetzt die Menschen und lässt sie sehr aufgebracht gegen mich werden. Ich will nicht realisieren, dass ich nichts tun kann und spüre, wie ich furchtbare Bauchschmerzen bekomme. An meinen Beinen rinnt ganz viel Blut herab. Es hörte gar nicht mehr auf zu bluten. Schweißgebadet wachte ich auf und war echt sowas von heilfroh, dass das alles nur ein schrecklicher Alptraum gewesen war. Ich nehme mir vor, das schnellstmöglich zu VERGESSEN. Das war schließlich nur ein TRAUM und der Weg ist ein anderer und führt uns geradewegs in diese Ebene:

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Wir halten an, die Feuchte im Tal ist sogar hier oben regelrecht spürbar. Ich habe immer noch Durchfall und muss mal ganz dringend. Das müssen wohl viele, denn ich trete in einen menschlichen Kothaufen und habe die größte Mühe, die Schuhe wieder sauber zu bekommen. Guido rät sie wegzuwerfen, doch es sind meine guten Esprit Schuhe, die mag ich nicht wegwerfen und packe sie in eine Plastiktüte hinein. der Fahrer ist entsetzt, was mir jedoch egal ist, denn meine ESPRIT-Schuhe werfe ich ganz sicher NICHT weg !!! Und sicher hat das auch NIX mit dem Traum zu tun, es ist nur menschlicher Kot und kein Misthaufen !!!

Immer weiter hinab geht es nun in die Ebene. Es ist entsetzlich schwül. Wir kommen an zig Baracken vorbei und sind ganz und gar damit beschäftigt, uns über menschliches Elend Gedanken zu machen. Wir sind froh, als wir eine größere Stadt erreichen:

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Die Weiterfahrt endet aprupt, da die Strasse überschwemmt ist. Die Frauen sind sich einig, dass es geradeaus lang geht.

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