Nach langer Suche und zwei aufregenden hitzigen Debatten mit dem mittlerweilen aggressiven Taxifahrer (da wir das von ihm angebotene Hotel ablehnen) beschließen wir, in der Kongu Residency, das von außen ganz nett ausschaut und oberhalb des See´s liegt einzuchecken und stellen erschöpft von der Hitze und den vielen Eindrücken unsere Rücksäcke neben dem marode ausschauenden, aus den siebiger Jahren stamenden Kleiderschrank ab. Durchdringend schallt Musik aus noch gigantischeren Lautsprechern durch die offenen Fenster herrein während gerade eine Buschspinne quer über den Teppich rennt. Mit ihren drahtigen, dünnen, muskulösen Beinen scheint sie regelrecht fliegen zu können, so schnell ist sie. Ich weiß gar nicht mehr WIE, jedenfalls locke ich sie in den Schrank und klatsche schnell die Türe zu. Zwar fällt er fast auseinander, ein Scharnier hält aber gerade noch so. Hach, wie wunderbar, das wäre geschafft. Doch -oweia: die Ritzen sind so groß, sie kann locker dreimal untendurch kriechen. Schnell dichten wir die Ritzen mit Toilettenpapier ab, denn die Nacht mit DIESER Spinne -freilaufend- in einem Zimmer verbringen…? Nein, besser nicht!

Vinodhie und Geramaine sind froh, als wir endlich am See sind:

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Lieblich und freundlich, eine rojalblaue Schönheit, an dessen westlichen Ufern Seerosenteppiche schwimmen. Die Menschen sind entspannt und fröhlich:

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Am See herrscht entspannte Urlaubsstimmung vor. Man lacht, grüßt sich, winkt sich zu, genießt den schönen sonnigen Tag und die frische Kühle des See´s. Es ist eine Sommerstimmung wie im Bilderbuche. Doch ich kann mich nicht freuen. Ich habe Schmerzen und krassen Durchfall, der mit jeder Stunde zunimmt. Ich fühle mich so schwach wie schon lange nicht mehr. Ausgelaugt. Weichgekocht. Und habe den Eindruck, mich fiebert. Die frische kühle Brise am See tut mir daher sehr gut. Unter dem Laubdach der weit ausladender Bäume läuft es sich auch angenehm. Doch mir ist, als würde ich bereits „neben mir“ gehen. Ich fühle meine Beine nicht mehr. Ich fühle mich leer und ausgebrannt. Mein Kopf scheint komplett durchgequirrlt von der psychedelischen Musikbeschallung in Dezimalstärken jenseits europäischer Normen. Die direkte Konfrontation mit Besetzungen durch Wesenheiten sind wirklich das Letzte, mit dem ich in dieser Verfassung umgehen könnte. Ich sehne mich nach Stille und Frieden. Genieße daher diesen Teil des See´s sehr, denn hier hört man nur das leise Plätschern des Wassers. Aus irgend einem Grund hat es uns hier her gezogen, zu den Seerosen, und es fühlt sich sooooo friedlich und richtig an! Gerda so, wie es geht laufen wir weiter und schauen nach vorne – und wagen bei folgendem Anblick gar nicht, den Gedanken zu Ende zu denken…: Ob wir angekommen sind? Das Haus gefunden haben? Heute? Hier? JETZT? Oder ist es eine Resssizenz eines anderen Swami´s?

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Das Herz klopft bis zum Haaransatz und drüber hinaus: Wir sind uns sicher: Es IST das Haus von Sai Baba! Wir sind da! Wir haben es gefunden! Wir sind angekommen! Und – wir stehen vor dem verschlossenem Tor.

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Der Hof scheint verwaist. Niemand scheint hier zu sein. Ja, wir sind zu spät: Sai Baba ist tot, beerdigt und der Hof ist verwaist. Hier war es gewesen: Jahr für Jahr war ER hier. All die Sommertage. Man hört noch das Lachen sich freuender Menschen … doch nun … ist eine andere Zeit Wirklichkeit: Und der Hof ist leer. So leer wie es in mir ist. Ich habe das Gefühl zu zerfließen, mich aufzulösen. Hier. Und JETZT. Heute. An genau diesem Tor.