Daily Archives: 7.1.2012

0

Dem Ruf folgen

by

Ich vermisse den Him-Hie-Tie. Er hat gesagt, der Vogel wird uns führen, wir sollen seinem Ruf folgen. Mittlwerweile sind aber keine Vögel mehr am Himmel. Der Himmel ist mittlerweile dunkel. Und der Regen wird stärker. Immer Regen, ich versuche das nicht auf mich zu beziehen, nein, nein, sicher NUR Zufall. Wir sollten auch besser zurück gehen und biegen daher nun rechts ab denn da führt eine Strasse hoch. Zuerst laufen wir vorbei, an dem kunstvoll verzierten weißen Gebäude aus Speckstein oder ist das Marmor?  Gegenüber der, so ich das beurteilen kann, aus SILBER bestehenden Tür, am Treppenaufgang, stehen so kleine schöne geschnitze Elefanten. Geschnitze, geschückte Elefanten. Ach, egal wie es da rumdonnert, ich hab´eh keine Angst vor Gewitter. Und vor Blitzen ja auch nicht, die kann man schließlich überleben. Ähm ja. Also gehe ich auch schon bereits zurück, denn die mag ich mir noch kurz ansehen.

sian-handy-indien-un-konfi-605.JPG

Du lieber Himmel, was für ein Elefant! Ja ist DER schön.

sian-handy-indien-un-konfi-606.JPG

…und all die Ornamente! So gleichmässig gearbeitet, so kunstvoll….  – was für ein edles Werk.

Es donnert und grollt vom Himmel. Hallo weiter. Ich laufe langsam, das Kunstwerk im Gesammten ehrfürchtig bestaunend weiter. Aber das Gebäude ist nicht zum weiterlaufen gedacht. Es ist zum HINEINGEGEHEN. Doch der Weg scheint versperrt, alle Türen sind zu. Es ruft, das Gebäude, es ruft alles an diesem Gebäude. „Kommt-kommt- herein“ höre ich. Doch der Weg ist versperrt. Ich entdecke die Swastika, hm, nicht gerade MEINE Rune, ich habe sie ehrlich gesagt nie gemocht und mag sie immer noch nicht. Wer mich kennt weiß, dass ich Wunjo, dass ich Jera liebe. Weder Solwelu, noch Mannaz oder Hagalaz. Alleine schon beim Betrachten ihrer fühle ich mich so unruhig wie die See, wenn sie vom Sturm gepeitscht wird. Doch alles schaut im Gesammten wo sie ist so lieb aus, ich muss unwillkürlich an Mönche denken, sehe ein Kloster, hoch oben in den kahlen Bergen, wo es nur einen einzigen Baum gab und Mönche in weinroten Kutten. Und da sitzt auch noch ein Vogel, in einer meiner drei Lieblingsfarben, unfassbar. Also wie auch immer, ich mag da hinein gehen…

sian-handy-indien-un-konfi-607.JPG

Aus dem Schutz des Gebäudes tritt ein Mann hervor. Er schaut uns lange an und öffnet die Kette. Er sagt, wir können jetzt hinein gehen. Und zeigt uns, wo wir die Schuhe hinstellen können. Dass da ein wunderschöner außgerechnet GRÜNER Teppich ist bemerke ich erst jetzt. Mein Herz klopft nun ganz schnell. Etwas Grundlegenes scheint sich nun zu verändern, ich kann es schmecken und spüren, wie sich mir jedes Haar am Körper stellt. Der Elefant scheint es zu wissen, das sich hier etwas GRUNDLEGENES verändern kann und es geradewegs herauszutrompeten.

sian-handy-indien-un-konfi-608.JPG

All die Statuen strahlen eine solche Gelassenheit, Ruhe und Anmut aus, es raubt mir fast den Atem.

sian-handy-indien-un-konfi-610.JPG

sian-handy-indien-un-konfi-611.JPG

sian-handy-indien-un-konfi-612.JPG

0

grünes Teechen

by

Das macht einem schon was aus, da muss man auch gar nicht eingebildet sein oder so. Es ist, so glaube ich, einfach auch natürlich. Am liebsten würde ich mich verkriechen und auch das ist normal, wie man es auch aus der Tierwelt kennt, da zieht man sich schließlich auch zurück. Seuftz. Na ja, zurückziehen ist gerade nicht, aber mal wo hinsetzen mag ich mich gerne.. Ausruhen. Doch wohin. Der Boden ist einfach zu nass und -imens- dreckig. Eine Parkbank, so wie die, die es bei uns gibt, gibt es hier nicht. Es gibt auch kein Cafee oder ein Teehaus, so wie ich mir das, grünes Teechen trinkend, zu Hause vorstellte hier „in echt“ anzutreffen. Zuhause habe ich wohl jahrelang ein verklärtes Bild von Indien gehabt. Zu Hause hatte ich feinsten grünen Tee gekocht und dabei daran gedacht, dass er hier wächst. Ich erinnere mich, wie gross meine Vorfreude war, ihm hier „live“ zu begegnen…oh war ich in Freude…. ich hatte auch bergeweise Räucherstäbchen angezündet und dachte dabei an Indien, an freilaufende geschmückte Elefanten und an saritragende Frauen. Ich war gespannt auf den Amber und auf das Sandelholz. Das aus Mysore. Mysore, die Stadt, welche bekannt ist für das Sandelholz. Doch in ganz Mysore gab es kein solches, wie ich es mittlerweile von Andrea, die es von Mutter Meera mitbrachte bekam. Mutter Meera, die in der Nähe von Heiler Mensch-heile Erde- Freunden ihren Sitz in DEUTSCHLAND hat.

Ich erinnere mich schmunzelnd, wie still ich da „OM“ machend zu Hause auf den dicken Polsterkissen saß und mich -allen Belehrungsversuchen von Miriam zum Trotze- mit GRÜNEM TEECHEN daheim im stillen Kämmerlein auf die Indienreise vorbereitete, an der Wand die indischen Stickereikissen… ach und eine indische Lampe hatte ich natürlich auch brennen und auf dem Tischchen, das ich aus DEM indischen Lädchen in Freiburg erstanden hatte den grünen Tee…doch wenn ich mich hier im „richtigen Indien“ anschaue dünkt mir nun vage, dass ich zu Hause wohl „Indien“ gespielt habe, mit GRÜNEM TEECHEN, der hier schwarz mit Zucker und Milch getrunken wird. Nun, Miriam hatte Recht, zugegebenermassen. Recht in allen Punkten und ich hatte von etwas geträumt, das es gar nicht gab. Geträumt hatte ich, grünes Teechen trinkend im räucherstäbchengeschwängerten Zimmer, untermalt von schöner indischer Musik, intensive Klänge aus traditionellen indischen Musikinstrumenten, nein kein Bollywood. Geträumt von einem Indien, das ich nicht antraf. Ach, sicher gibt es irgendwo ein solches Teehaus, wo man grünen Tee trinken konnte … oder….? Nun, wir finden auch noch zwei, hier in dieser Stadt, aber DAS ist eine gänzlich andere Geschichte und wird ein anderes Mal erzählt. Zuerst einmal kommen wir an einen Tempel, der renoviert wird.

sian-handy-indien-un-konfi-602.JPG

Unten sind Menschen am arbeiten. Oh man, eine Betondecke, so abgestützt…? Irgenwie ist es für mich nicht zu fassen, dass man solch ein schweres Gebäude so abstützt. Meine Stirn liegt schon wieder in Runzeln, ich bin geschockt. Da ich mir das genauer anschauen mag, wie die Seile festgebunden sind, sehe ich die Statuen obenauf. Sie scheinen zu lächeln und – zu winken. Sie sind wunderschön. Und verströmen eine sehr harmonische Energie. Mein Herz wird ganz ruhig.

sian-handy-indien-un-konfi-603.JPG

Die Gegensätze so stark fühlen, das Vertrauen, dass alles seine Ordung hat und dass „auf einen geschaut wird“ ist so spürbar wie man es sich bei uns im trauten Wohnzimmer mit grünem Teechen und indischen Klängen gar nicht erst vorstellen kann.

sian-handy-indien-un-konfi-604.JPG