Monthly Archives: Juli 2011

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Die Elefantenbäumin

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Von weitem schon erstrahlt in wundersamer Ruhe dieser Baum. Er leuchtet in rot-grün-blauem Licht und seine kräftigen dunkelgrünen Blätter glitzern wie Sterne in der Nacht. Grundgütiger, mich erschaudert. Beim Näherkommen erblicke ich, dass sein Stamm wie ein gewölbter Babybauch aussieht. Oh, wie wunderbar, er streckt sein Bäuchlein der Welt entgegen! Ich denke unwillkürlich an eine schwangere Frau. An mich, als ich schwanger war, an all die schwangeren Frauen… an all uns… hach,wie schön… ich denke an den Stolz, an das strampeln im Bauch, an das nicht alleine sein und wie es war, schwanger zu sein. Ich erinnere mich, wie sich das angefühlt hat, das „schwanger sein“, sooooo schön…und dann aber auch an die Geburt, an all die Gefühle…dann an den leeren Bauch und wie schlaff dieser nach der Geburt herunterhing. Wie fremd. Ich denke daran, wie man bei uns dann alles unternimmt, dass man wieder so schnell wie nur irgend möglich so straff und knackig ausschaut wie vorher. Wie man ihm gar keine Zeit lässt „leer zu sein“. Im Gegensatz da die indischen Frauen, die keine Scheu haben, ihr vom Baby ausgetragenen Bauch zu zeigen ohne sich zu genieren, dass er auch mal in Falten liegen kann. Alles Natur. Das hineinbringen, das nähren, das in sich wachsen lassen spüren, es hinaus in die Welt gebären, das Gefühl der Erleicherung, den ersten Blickkontakt, das Baby, das man zuvor in sich gefühlt hat anfassen, es an sich nehmen, wärmen….das kleine Leben…. Ich möge mich versöhnen mit dem „leeren Bauch“? Den Gefühlen im Bauch? Dem „sich zeigen mit Bauch, wie er eben gerade ist“? Das „auch mal schlaff sein“ zulassen können? Puh.

Hach, er strömt so geruhsam und treu wie ein Elefant während ich schnurstracks auf ihn zulaufe. Wie automatisiert. Dann sehe ich…STEINklumpen….nein, das darf ja jetzt nicht wahr sein! Hier…? Mich erfasst sowas wie…WUT…? Ich denke mit Groll, ja genau: WAAAAS, SCHON WIEDER…..???!!! Und dann….Geritze auf ihm. Das darf ja wohl nicht wahr sein! „Doch, so ist es.“ sagt der Dim-Hie-Trie. „Ihr“ korrigiert sie. Ich schnaube, mein Herz rast. Sie spricht, ich möchte mich beruhigen um sie zu hören. Doch mein Herz rast. Ich atme. „Wie war das doch gleich mit dem „stehen lassen können Sian…?“ sagt Dim-Hie-Trie, während er auf seine Fingernägl schaut, ob diese auch schön sauber sind. Ah jeh, so promt gleich die Gelegenheit? „Aber ja doch, kannst gleich üben.“ Meno, Dim-Hie-Trie !!!! Also gut, die Steinklumpen, die Achtlosigkeit, das Unverständniss, das Gekritzel, welches dem Baum nicht guttut stehen lassen könnend gehe ich hin und betrachte ihn, äh, sie:

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Sie ist so geruhsam. So beständig. So behäbig. Wie ein Elefant. Oh wie schön, der erste indische Elefant, der mir begegnet ist ein BAUM. Wie wundervoll. Ich schaue hoch. Blicke in seine, äh, ihre Krone. Diese Blätter, wie Sterne! Sie bewegen sich im Wind. Es raschelt, ich wünschte, ihr könntet es hören! Und es schaut aus, als würden sie winken.

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Oh, was sehe ich denn da, das schaut ja tatsächlich aus, wie Elefantenbeine! Ich bin restlos begeistert.

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Und versinke in ihrer Aura. Mein Bauch an dem ihren ist Versöhnung mit allem Weiblichem. MIT ALLEM WEIBLICHEM. Ich spüre mich als bauchhabende FRau an einer sein bauchliebender FRau, also tatsächlich! Unfassbar, aber ich erlebe es! An ihrem Bauch fühle ich, wie sehr ich in dem meinem die Süße des Lebens, die Hoffnung, Enttäuschung, Zusammenziehen, Hineinziehen, Schmerz, Verdängung, Trauer, Versagensängste, Verlustängste, nicht loslassen können und Angst, nicht alles „Recht zu machen“ gespeichert habe. „Gebe ab.“  Ja, ich teile mich mit. Sie fühlt in mich und schenkt mir ihren Frieden. Ich habe keine Schmerzen mehr. Alles nimmt sie in ihrem Schoss auf. Dann sehe ich mich wieder im Garten, bei Sai Baba weilen…ich sehe ihn…er spricht vom Wachsen-vom werden-vom reifen-vom verdrängen-von Sexualität -von Liebe, von der menschlichen sowie von der göttlichen-es ist wundervoll, ich staune und könne ein ganzes Buch darüber schreiben, so viel erzählte er, während ich in ihrem Schoss liege.

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und ich stand lange. Menschen kommen und gehen. Sie bleiben stehen und betrachten, was ich da mache. Sie sprechen miteinander, was ich da wohl machen würde. Als wir gehen kommen sie und schauen. Man spürt förmlich all ihre Tausend Fragezeichen in der Luft. Sie kommen an sie heran und erhoffen, Antworten zu finden. Ein Mann bleibt längere Zeit ganz andächtig stehen. Wenn WIR da als Europäer sooooo lange standen….ja, dann muss da wohl etwas Besonderes sein. Nur was…? Tausend Fragezeichen. Ich schwebe. Mag am liebsten ein tiefes Loch um sie graben, einen Kran bestellen, ein Schiff anheuern um sie mitzunehmen. Zumindest mag ich wiederkommen. Ich würde, nur um sie wieder zu spüren den langen Weg nach Indien nehmen. JEDERZEIT würde ich hierher zurückkommen.

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JEDERZEIT.

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Etwas stehen lassen können

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„Nun, wer kennt das nicht“ denke ich so bei mir „das Gefühl, alleine zu sein.“ Man weiss, dass man das nicht ist, in WIRKLICHKEIT, dass es sehr wohl Menschen, Engel, Helfer gibt, denen man am Herzen liegt, denen man wichtig ist, auch wenn sie es nicht immer auszudrücken vermögen. Man weiss es ja sogar, so wie Dim-Hie-Trie es auch sagte, aber wenn man es selbst nicht so fühlt, dann fühlt man das eben so und das zu fühlen schmerzt eben. Das zu akzepieren, dass man sich eben nun so fühlt hilft, diesen Schmerz annehmen zu können. So wie auch in mir der körperliche Schmerz mich zu etwas zwingt, etwas anzuschauen, in die TAT zu kommen. Wie bei einer Geburt, wo man ja auch ganz und gar dabeisein „muss“, mithelfen muss, dass das Kind, welches man zu gebären wünscht einen auch dazu regelrecht zwingt aufmerksam zu sein, mitzuhelfen, dass das Kind herauskommen kann. MIT dem Schmerz gehen. DA sein. Akztepieren, nicht mehr ankämpfen. Sich weiten….dadurch RAUM gewinnen. Möglichkeiten. Lösungen daduch ins Leben hereinholen. So hatte ich das noch nicht betrachtet? So viele Menschen haben Schmerzen, fühlen sich nicht gesehen, anerkannt. DAS zu akzepieren, dass man sich so FÜHLT, dass es eben gerade JETZT so ist ebnet Wege, die man zuvor eben NICHT für möglich gehalten hat! Mir dämmert vage, dass es da vielmehr ums Annehmen, ums Aktezieren DASS man sich eben gerade so fühlt geht und dass man gerade erst dadurch auch bei sich ist. Ja, SO genau ist das. Diese Erkenntniss tut soooo gut.

Einfach annehmen, akzepieren und dadurch den Druck von sich selbst herausnehmen. „So genau geschieht Heilung“ höre ich Mutter Maria sagen, während mein blauer Rosenkranz, der ja mittlerweile ohne das Kreuz, an dem Jesus hängt für mich eine ganz neue Bedeutung annimmt. Sünde, Sühne, Leid, alles dual, nicht wirklich das, was die LIEBE, die durchs Universum schwingt ausmacht. Ich bin auf einmal trotz meiner zuvor empfundenen Einsamkeit glücklich, ganz tief drinnen und fühle, dass ich bereit bin, dem Schmerz ins Auge zu blicken. Welcher Schmerz sich wohl wirklich hinter ihm verbirgt, den ich mir noch gar nicht angeschaut hatte? „Das muss sich jeder Mensch anschauen, der krank geworden ist. Ob seelisch oder schon körperlich. Das läutet den Heilungsprozess in einem jeden SELBST ein“ sagt Mutter Maria. Ein Dschungel. Ein Dschungel des Lebens, voller Verstrickungen, Wirrwarr und dennoch ist darinnen auch Ordnung, so kommt es mir vor. Und die Vögel singen derweil so exotisch, wie sie nur können weitab dessen, was man von heimatlichen Vogelstimmen wie Amseln, Spatzen und Drosseln so gewohnt ist. Wir gehen weiter und mir ist, als würde ich durch den Dschungel laufen. Als würde ich ein Kleinstlebewesen sein im Angesicht dieser Geschöpfe hier:

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Schaut doch nur, wie klein die Menschen links des Bambus sind! Wie winzig klein! Wir gehen wie verzauberte Wesen durch diese Baumgruppen hindurch. Eine andere Welt! Und wir winzig klein! Hu!!!!

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Sooo winzig klein….wie der Mann hier rechts, dem man fast nicht sieht. Wie vieles, was man nicht sieht. Einen anderen Blick. Eine andere Welt. Man muss nur die Augen öffnen hier und schon sieht man es. Wie so oft im Leben. Es ist faszinierend, in diese Welten einzutauchen. Dim-Hie-Trie beschrieb einmal die Welt der Kleinstlebewesen. So werden sie sich wohl fühlen, wenn sie feststellen WIE gross etwas um sie herum ist! Ich bin ganz versunken, als mich eine Frau aus meinen Empfinden reisst. Sie steht vor mir, gekleidet in ärmlicher Kleidung, mit Augen, die so groß wie Teller sind im Angesicht eines ausgemerkelten Gesichtes. Ihre Hände führt sie zum Mund und weist mich an, ihr etwas zu geben. Sie steht direkt vor mir, ich hatte sie wohl erst gar nicht bemerkt. Konfrontation mit indischem Alltag. Sie bittet mich um Brot? Etwas Essbares? Instinkiv hole ich bereits im Geiste unser Brot heraus, das wir uns eingepackt hatten. Das weiche, frische Brot, welches wir essen wollten. Ich denke daran, etwas davon abbrechen, es zu teilen, doch ich denke an die Mango die wir auch noch haben und an die Kekse. Ich halte Rücksprache mit Guido, was er meint zu dieser Situation. Wir beschließen, ihr alles Brot zu geben. Uns würde ja noch die Mango und die Kekse bleiben, das würde sicher reichen. Wir fühlen die Richtigkeit unserer Absicht. Wir geben ihr einfach das ganze Brot, denn Guido merkte an, dass sie noch für zwei weitere zum betteln kam, die in Sichtweite warteten und uns beobachteten. Ich packe das Brot aus, fühle mich gut dabei, es herzugeben. Sie nimmt das ganze Brot, sagt weder danke noch zeigt sich ein Lächeln in ihrem Gesicht. Sie scheint eher genervt. Legt die Stirn in Falten. Hm, hätt´ ich das mal vorher gewusst! Es scheint ihr nicht zu genügen, was man ihr freiwillig geben mag. Das schmerzt mich schon wieder und ich habe schon wieder das Gefühl, was falsch gemacht zu haben und „nicht zu genügen“ was ich tue….“Ah jeh“ sagt Dim-Hie-Trie „Sie wollte HALT EINFACH MEHR HABEN, nichts WÜRDE IHR GENÜGEN, EGAL, WAS MAN IHR GIBT. Und sie wollte Brot UND Geld haben.“ Ja, soo einfach. Ich hatte ihr unser ganzes Brot geben, es war für mich viel, denn ich freute mich sehr darauf, es essen zu können. Und ich hatte ihr sogar ALLES gegeben! „Ja, so ist es Sian.“ sagt Dim-Hie-Trie. „Und nun freue Dich.“ Worüber sollte ich mich denn freuen? „Nun, über die Erkenntniss.“ Stimmt, es war für mich ein Schritt und ja, ich gab es gerne. Selbst bestimmen, was man geben mag und sich dann freuen, das lerne ich. Und andere Meinungen und Ansichten als solches stehen lassen zu können, wie die Frau, die wir stehen lassen können um weiterzugehen. Ja, so ist es. Bei sich bleiben, sich fühlen, auch den Schmerz, die Enttäuschung, das ent-täuschen zulassen können. Etwas auch stehen lassen können, ein weiterer Heilungsprozess.

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Auf dem Felsen im Cubbonpark

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Mittlwerleile ist es so mitten in Bangalore ganz schön heiss geworden.  Puh, wie viel Grad mag es wohl haben? So um die Mittagszeit? 40? Hm, bestimmt. Bin ich froh, dass wir hier unten den Bäumen sind!!! Unter ihrem Blätterdach ist es angenehm kühl. Also lieber mal schön drunterbleiben! Hmmm, wie angenehm. Ich schließe die Augen. Atme die Luft hier ein. Sie strömt kühl und harzig aus den Bäumen hervor, einfach klasse. Wie sehr ich sie doch liebe, meine Freunde, die Bäume! Im Elbenland werden sie tausende von Jahre alt. Gigantische Rießen, kraftvolle Energiewesen mit meterdicken Stämmen. In viele konnte man hineingehen und singen. Das liebten sie. Man konnte auf ihnen herumlaufen, oben in den Ästen und herunterschauen. Man konnte auf den bemosten weichen Ästen balanchieren. Das war immer so ein schönes Gefühl. Es ist wie in AVATAR, wenn sie über die Äste der Bäume gehen, so könnt ihr Euch das bildlich machen, denn so genau war das da im Elbenland. Hach jah…so war das…. ich öffne die Augen und schaue mich um. Während ich die Kinder und Pärchen betrachte, wie liebevoll und lachend sie sich freuen, gerade miteinander die Zeit verbringen zu können sehe ich die leicht im Wind schaukenden Bäume, die im Verhältniss zu den unseren in Deutschland recht groß sind. Sie verschenken ihre Energie und unter ihrem ausladenden schattenspendenden Dach zu gehen und wandeln ist total schön. Es ist so wunderbar, ihre Präsenz zu fühlen,  sie hier in der indischen Erde des Cubbon Parkes zu spüren. Kein Müll oder Unrat ist um sie wie gerade eben, alles ist sehr angenehm hier.Wir laufen und lauschen den exotisch klingenden Vogelstimmen. Schauen auf die Bäume, wie schön die Blüten darauf blühen.Dann ragt ein behäbig anmutender glatter Felsen in der Ferne auf. Wir laufen hin. Er schaut alt aus. Und strömt eine angenehme Energie aus. Hach, DA ein wenig sitzen….

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Sieher sitzt man da oben ganz gut. Und kann von dort oben ein wenig die Landschaft betrachten. Die Blumen auf den Bäumen sehen….die Menschen anschauen, wie sie vorbeigehen, den Park genießen, wie sie miteinander umgehen. Ob man von da oben was sieht? Ob man da rauf kann? Sicher kann man das! Wir klettern hoch. Oh, schöne Aussicht! Schöner Platz! Schöner Felsen!

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Ein schöner Ausblick! Man kann so gut die Blätter sehen, die gelben Blumen auf den Bäumen. Einfach schön! Ganz oben sitzt ein junges Liebespärchen. Hm. War ja wohl klar. Anschauen? Nicken. Ja. Na gut. Ich linse rüber und sehe, wie fein und hübsch sich das Mädchen gemacht hat. Sie trägt westliche Kleidung, eine Jenas, aber ein weißes Panjavieoberteil. Gelungene Mischung. Moderne und Tradition vereint! Das gefällt mir. Ich empfinde sie als sehr schön. Es ist aber nicht etwas äußerliches, es kommt von innen und strahlt durch die ganze Person hindurch. Sie strahlt dadurch auch eine natürliche Eleganz aus. Schluck. Das alles ist mir wohl total abhanden gekommen, ich fühle mich nicht elegant, in meiner Mitte ruhend oder gar irgendwie schön. Oh jeh, ich bin innerlich total fertig stelle ich fest. „Natürlich bist Du schön.“ sagt Dim-Hie-Trie. Er lächelt. „Ah nee, weit davon entfernt“ sagte ich und denke daran, wie ich früher ausschaute. Wie schön ich war. So im Elbenland, in der altvorderen Zeit, zu Bottichellizeit…und jetzt: an das Gewebe, wie aufgequollen es durch die Medikamente geworden ist und wie mir in so kurzer Zeit so viele Haare ausgefallen sind…“Ah Sian, das geht vorbei. Alles wird zurückkehren. Es ist nur mal eben in den Hintergrund gerückt.“ sagt Dim-Hie-Trie. „Das wird schon wieder.“ sagt er gelassen und mir Händchen streichelnd. „Ah so? Wie denn? „Nun, das wird eben schon wieder.“ beharrt er. Nah, „eben“, soso. Dim-Hie-Trie rümpft die Nase, hält kurz inne und streichelt weiter meine Hand, während ich den Mann betrachte, wie verliebt er das Mädchen anschaut. Wie liebevoll der junge Mann doch mit dem Mädchen umgeht! Es ist Liebe in den Gesichtern, es ist Zärtlichkeit in der Luft. Und Flimmern, das von ihnen ausgeht. Das Flimmern ist wie an einem heissen Tag, wenn man glaubt Wasser sei in der Luft. Es sind Emotionen. Und diese sind dem Element Wasser zugeordnet. Man kann sie sehen, spüren, wahrnehmen. Ich achte darauf, alles in mir aufzunehmen. Die Stimmung, die Atmosphäre, das Flimmern.

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Unten laufen viele Menschen vorbei. Der Park ist im Gegensatz zu dem anderen Park ohne Eintritt und so können sich auch finanziell schwache Menschen den Besuch möglich machen. Schön! Ein ganz anderes Publikum ist hier. Es sind viele Familien unterwegs. Großfamilien, die sich auf die mitgebrachten Decken setzen. Wenn sich eine Familie zum Essen hinsetzt gehen die Kinder immer wieder mal weg und spielen dann mit anderen Kindern. Die Kinder sind immer sehr interressieert an Austausch und nähernd sich zwar erst zurückhaltend und vorsichtig, aber dennoch zielstrebig. Wir beobachten, wie die Kinder was zum Spielen aus ihren Hosentaschen rausholen. Murmeln, Bälle, Handy´s und wie sie es den anderen Kindern zeigen. Wie sie sich was ausdenken, darüber sprechen, noch einen Stock oragnisieren zum Ball wegschlagen und wie sie beginnen zu spielen. Beim Ball spielen geht es nicht darum, dem anderen auf Biegen und Brechen  den Ball „abzuluchsen“ sondern um Spass bei der Sache, um Geschick und um Fainess. Faszinierend.

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Ich spüre: Es geht um Gelassenheit. Leben. Annehmen. Erinnern. Um´s Wahrnehmen und ums Loslassen. So, das muss man erst mal können. Wer wäre nicht gerne so, wie gerade diese Menschen sind? ICH. Ich würde mich gerne auch so fühlen. Es SCHMERZT. Kann ich mich so annehmen, wie ich gerade bin? Aufgedunsen, mit wenig Haar? Ich fühle mich krank, schwach. Und alleine. „Du bist nicht alleine.“ sagt Dim-Hie-Trie.

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auf der Suche nach dem Cubbon Park, der grünen Lunge der Stadt

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Im „Hindi“, der Tageszeitung,  kann man jeden Morgen nachlesen, in welchem Dorf wieder Dutzende von Menschen, meist sind es Kleinkinder und älteren Leute, in Folge von verseuchtem Brunnenwasser an Vergiftung durch Keime und Bakterien gestorben sind. Beim Einfühlen in diese Energie spüre ich die Vergiftungsschmerzen der Menschen in meinem Körper. Es tut so wahnsinnig weh. Es sind Koliken, Krämpfe, und sie sind so wahnsinnig schmerzhaft! Ich spüre, wie Kälte und auch Hitze im Körper ist. Ich spüre das Zusammenbrechen einzelner Organfunktionen…. Es tut mir im Körper und in der Seele weh. Warum muss dies nur sein? Es wäre so einfach, gutes Wasser zu schöpfen! Mittlerweile weiss ich ja, wie die Strassenverhältnisse sind. Wenn es so auf den Dörfern aussieht wundert es mich nicht. Dabei wäre es doch so einfach! Wo ist das Gefühl für die Umwelt? Wo das Wissen, dass es ein Zusammenspiel zwischen Umwelt und Mensch gibt? Ist es Unkenntniss? Wie könnte man da helfen? Ich überlege, wie man es begreiflich machen könnte während wir zu Fuss auf der Suche nach dem Cubbon-Park, der grünen Lunge der Stadt sind. In der Nacht zuvor hatten wir vom DAch herunter geschaut, wo es am dunklesten war. Ob da der Park ist? Wir haben auch gutes Schuhwerk an. Warum…..? Nun, darum:

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Zugegeben, ich bin über das Umweltverhalten wirklich über alle Maßen geschockt. Warum sehen das die meisten nicht so wie ich? Warum ist das hier so „normal“? Das ist doch nicht normal! Ich empfinde große innere Schmerzen darüber…und daher mag ich jetzt auch am liebsten den ganzen Müll von hier wegschaffen. Alles fein und schön machen. Doch das geht ja nicht. Dim-Hie-Trie schreibt in unserem Buch, dass die Menschen einen Erdenkörper haben, wesenhaft daher auch zugehörig zum Reich der Natur, warum im Himmels Willen verhalten die Menschen sich denn dann so? Ich bin so überaus verzweifelt. Es tut mir weh. Ich SPÜRE alles immer sooooo sehr…..oh jeh…..WIE könnte man nur das Umweltbewusstsein stärken? WIE? Ach, Bitte. Bitte. WIE? „Ich möge es mir nur anschauen. Alles hier, alles. Auch was ich fühle.“ Nur anschauen? Was es macht? Mit mir? Oder warum das so ist? Nur schauen? ICH…..? AHHHHHHHHHHHH………….ich schließe verweifelt meine brennenden Augen. Riehe daher noch mehr die Luft. Sie ist schwer und voller Abgase. Es riecht nach Verweseung. Nach Kot und Urin. „Anschauen. Nur anschauen.“ Nein, jetzt nicht. Ich will nicht. Kneife meine Augen zu. Darum höre ich verstärkt die Vögel. Verzweifelt versuche ich ruhig zu bleiben. Und denke: „Die „grüne Lunge“ suchen wir. Den Park. Dort ist es bestimmt ganz schön! Oh ja! Was Schönes erleben! JA“.  Erleichterung.

Doch wie finden? Die Vögel sind so übertrieben laut. Wie, als würden sie rufen. Ich öffne die Augen. Schaue in den Himmel. Oh, soooo viele Vögel! Sie sind so überaus viele und so laut! Ich denke: „Hach wie schön, so viele Vögel, da muss der Park sein.“ Und die Stahlen am Himmel, sooooo schön, das ist ein Zeichen! Den Zeichen folgen, eine Botschaft! Komm, lass uns den Zeichen folgen! „Da ist der Park nicht.“ sagt Guido.

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Wir gehen dorthin, wo die vielen Vögel kreisen und kommen dahin:

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Es stinkt bestialisch. Man glaubt, es liegen verweste Leichen darin. Ratten huschen weg. Meine Seele brennt hochlodernd vor Schmerz. Ah jeh, was ist das denn!? Schau doch nur! Das darf doch nicht wahr sein! Oh mein Gott, wie furchtbar. Wie kann man nur sowas machen? Ich bin entsetzt. Das wird ja immer schlimmer! Was ist hier nur los? Das ist doch nicht normal! Ich liebe Bäume. Sie sind doch unsere FREUNDE. Versteht ihr das? Freunde. Freunde. Freunde !!!!!!! Im Elbenland werden sie Jahrtausende alt. Es sind Wesenheiten!!!! Faune wohnen darinnen….es sind doch so feine, lichte Wesen! versteht ihr? Mir tut es so wahnsinnig in der Seele weh, dies zu sehen:

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Die Baumstämme und die Äste sind ganz schwarz. Manche sind abgerissen, abgeschnitten. Sie bluten! Wie schrecklich!  „Für Brennholz“ höre ich. Ich sehe die vielen armen Menschen, wie sie die Äste abbrechen um kurzweilig warm zu haben. Ich fühle die Verweiflung und den Überlebenskampf der Menschen. AHHHHHHHHHHHHHH, was kann ich nur tun? „Nur anschauen“ Doch ich brenne und lodere vor Schmerz!!!!! Ich kann nicht mehr. Bleibe stehen. Guido hält sich die Nase zu. Der Gestank ist wirklich so bestialisch, es wird einem schlecht. Schnell läuft er weiter. Doch ich vermag nicht mehr weiter zu gehen. Tränen rinnen mir über die Wangen. „Bitte, bitte entschuldigt!“sage ich in den Elbenworten zu den Faunen der Bäume. Ich berühre die Bäume. Sie halten inne. Dann erhebe ich leise meine Stimme zu einem elbischen Lied. Zauber. Zauberfunken erfüllen die Luft. Lichtglitzerpunkte erschaffen aus der Atmosphäre Feenstaub. Tausendschöne, herzenslichte Lichtglitzerfunken glitzern in der Sonne. Vorbei mit anschauen: Ich habe Feenstaub materialisiert. Es beginnt nach tausendschöner Blumen zu duften. Im meinem Herzen wird es ruhig. Ganz ruhig. Vieleicht kann ich einfach nicht nur hinschauen? Guido ist schon weit vorne. Ich laufe daher weiter. Es hört einfach nicht auf:

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Über alle Maßen beschämt darüber, wie der Mensch sein kann schaue ich voller Scham zu Boden. „Sei nicht traurig Sian, es gibt Hoffnung.“ sagt Dim-Hie-Trie. Mein Blick ist auf den Boden gesenkt. In einem Kuhdungfladen wachsen Pflänzchen:

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„Bitte Sian. Sei nicht traurig! Schau doch nur, überall gibt es Hoffnung. Leben:“

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Ich atme auf und danke, danke, danke. Oh, wo ist denn Gudio? Guido, warte doch mal! „Ich musste weiter! So ein Gestank! „-Ja, so ein wahnsinniger Gestank, nicht zum aushalten, ich verstehe! Wir laufen, laufen und – laufen. Wir kommen an einem Wäscheplatz vorbei. Hunderte weisse Tücher an Leinen wehen im Wind. Eine Waschstelle…Abwässer voller Schaumberge….ah jeh, das geht doch nicht! „Doch, Du siehst es ja.“ Ja. Wir sehen einen Fahrradflicker- hi, wie lustig! Ja, lustig, doch so finden wir den Park nicht. Eine Rigscha anhalten? Wir halten eine Rigscha an. Auf dem Weg zum Park geht einer anderen Rigscha der Sprit aus. Man hilft sich so:

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Haha, wie lustig! Der Park ist ganz woanders, als ich glaubte. „Ich hatte Recht!“ sagt Guido. Ich schaue beschämt zu Boden. Oh, wegen mir sind wir so lange gelaufen? Ich werde vor Scham ganz rot. Normalerweise passiert mir sowas nicht. „Ich habe wohl keine Orientierung hier. Hier ist alles so anders.“ wispere ich beschämt darüber, dass er wegen mir so lange laufen musste. Vor dem Park sind Stände mit Zuckerstäbchen, süßen Äpfeln und Mangos. Lachende Menschen stehen davor und kaufen für den Besuch im Park ein. „Oh wie schön ist das denn, schau mal!“ Erfreue ich mich. Guido läuft weiter. Eine Allee mit Bäumen. Hier ist alles sauber und schön. Hunderte von Grillen zirpen aus dem Bäumen. Es ist wundervoll.

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Oh mein Gott, ich freue mich nun so sehr auf den Park! Auf all die Bäume, auf all die Pflanzen. Ich kann es kaum erwaten den Park zu betreten! Mein Herz klopft ganz laut. Die Grillen zirpen, Pärchen gehen Hand in Hand. Sie lachen und scherzen miteinander. Sie alle haben Zuckerstäbchen gekauft vor dem Eingang. Sie lassen sich gegenseitig abbeissen. Es ist so romanisch unter den Bäumen hier, so lauschig, so lieblich, so wundervoll. Mein Herz ist ganz offen, ganz weit. Ich erfreue mich am Ausdruck und dem Licht, das von den Pärchen, von den Liebenden ausgeht. Bis ich spüre, wie alleine ich bin. Ah jeh, was denn jetzt schon wieder?! Was diesmal anschauen? Ich mag so gerne auch zärtlich sein können, mich mal anlehnen. Es ist so viel gewesen…und ja, ich fühle, wie ich nicht mehr stark sein kann…..so gerne nun Hand in Hand gehen….. Nun werde ich traurig. Ich bin unter all den sich liebenden Menschen in Begleitung und dennoch so unsagbar alleine unterwegs. Schluck. Ah jeh…

Dim-Hie-Trie ergreift meine Hand. „Komm, lass uns weitergeh´n.“ sagt er lächelnd.